Forschung & Evidenz
pt Januar 2023

Cochrane-Update 1 2023

Neues aus der Cochrane Library
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Tom Grill / shutterstock.com

Für unser Cochrane-Update kooperieren wir mit der Cochrane Library. Prof. Dr. Cordula Braun vom Deutschen Cochrane Zentrum in Freiburg und pt-Chefredakteurin Dr. Tanja Boßmann sind die Autorinnen des monatlichen Cochrane-Updates.

Informationen zur methodischen Vorgehensweise finden Sie hier.

PLS-Übersetzung

AKTUALISIERT, DEUTSCH

Übersetzung: C. Braun, B. Schindler Letzte Recherche: August 2021 Studienanzahl: 21

Wieland LS, et al. 2022. Yoga for chronic non‐specific low back pain.

Link zum CR:cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD010671.pub3/full

Yoga bei chronischen nicht‐spezifischen Kreuzschmerzen

Hauptaussage

Bei Menschen mit lang andauernden Kreuzschmerzen ohne bekannte Ursache (d. h. bei chronischen nicht‐spezifischen Kreuzschmerzen) verbessert Yoga nach drei Monaten wahrscheinlich die Schmerzen und die Funktionsfähigkeit des Rückens besser als keinerlei Bewegungsübungen, jedoch sind die Unterschiede gering.

Yoga verbessert verglichen mit anderen Bewegungsübungen für den Rücken wahrscheinlich die Funktionsfähigkeit des Rückens nicht oder kaum. Ob es Unterschiede zwischen Yoga und anderen Übungen hinsichtlich der Verbesserung von Schmerzen gibt, ist unklar.

Kreuzschmerzen waren die häufigste unerwünschte Wirkung, über die in den Yoga‐Studien berichtet wurde. Das Risiko von unerwünschten Wirkungen war beim Praktizieren von Yoga höher als beim Nicht‐Praktizieren, jedoch beim Praktizieren von Yoga und anderen Übungen vergleichbar. Es gab keinen Hinweis darauf, dass Yoga mit einem Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen verbunden ist.

Was sind nicht‐spezifische Kreuzschmerzen?

Kreuzschmerzen sind ein weitverbreitetes Gesundheitsproblem. In vielen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache für die Schmerzen finden, dann sprechen Fachleute von „nicht‐spezifischen” Kreuzschmerzen. Bei manchen Menschen können die Schmerzen drei Monate oder länger anhalten und werden dann als „chronisch” bezeichnet. Nicht‐spezifische Kreuzschmerzen werden in der Regel mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln und Bewegungsübungen behandelt; eine Operation oder andere invasive Verfahren sind nicht erforderlich. Yoga wird manchmal zur Behandlung von Kreuzschmerzen eingesetzt.

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Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Yoga bei Menschen mit Kreuzschmerzen die Funktionsfähigkeit (z. B. die Fähigkeit zu gehen, Arbeiten im Haushalt zu verrichten, sich anzuziehen), die Schmerzen und die Lebensqualität verbessert.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten in medizinischen Datenbanken nach klinischen Studien, in denen Yoga‐Praktiken, bei denen die Einnahme von Körperhaltungen im Mittelpunkt steht (oft als „Hatha‐Yoga” bezeichnet) bei Erwachsenen (im Alter ab 18 Jahren) mit einer anderen Behandlung, einer Schein‐Yoga‐Behandlung oder keiner Behandlung verglichen wurden. Wir schlossen zudem Studien ein, in denen Yoga in Ergänzung anderer Behandlungen mit diesen anderen Behandlungen allein verglichen wurde.

Was fanden wir?

Wir schlossen 21 Studien mit 2.223 Teilnehmenden ein. Zehn Studien wurden in den USA, fünf in Indien, zwei in Großbritannien und je eine in Kroatien, Deutschland, Schweden und der Türkei durchgeführt. Die meisten Teilnehmenden waren Frauen in ihren 40er oder 50er Jahren.

Hauptergebnisse

In keiner Studie wurde Yoga mit Schein‐Yoga verglichen.

In zehn Studien wurde Yoga mit keinen Bewegungsübungen verglichen, d. h. mit der üblichen Versorgung, einer verzögerten Yoga‐Behandlung oder Beratung zur Selbsthilfe (z. B. in Form von Broschüren und Vorträgen). In sechs Studien wurde Yoga mit Bewegungsübungen für den Rücken oder vergleichbaren Übungsprogrammen verglichen. In fünf Studien wurden Yoga, keine Bewegungsübungen und eine andere Form von Bewegungsübungen verglichen.

Es gibt Evidenz von niedriger bis moderater Qualität dafür, dass Yoga nach drei Monaten die Funktionsfähigkeit des Rückens und die Schmerzen geringfügig mehr verbessert als keine Bewegungsübungen. Die Unterschiede sind jedoch nicht groß genug, um für Betroffene einen bedeutsamen Unterschied zu machen. Es gibt Evidenz von niedriger Qualität dafür, dass Yoga im Vergleich zu keinen Bewegungsübungen nach Selbsteinschätzung der Teilnehmenden die Rückenschmerzen nach drei Monaten spürbar verbessert (klinische Verbesserung). Es gibt Evidenz von moderater Qualität für eine geringfügige Verbesserung sowohl der körperlichen als auch der mentalen Lebensqualität und Evidenz von niedriger Qualität für keine oder lediglich eine geringfügige Verbesserung von Depressionen.

Es gibt Evidenz von moderater Qualität dafür, dass es zwischen Yoga und anderen Arten von Übungen nach drei Monaten lediglich einen geringfügigen oder keinen Unterschied in der Verbesserung der Funktionsfähigkeit gibt. Die Evidenz für die Wirkungen auf die Schmerzen nach drei Monaten ist von sehr niedriger Qualität, sodass unklar bleibt, ob es einen Unterschied zwischen Yoga und anderen Übungen in Bezug auf die Schmerzen gibt. Auch die Evidenz für die klinische Verbesserung und Veränderungen in der physischen und psychischen Lebensqualität ist von sehr niedriger Qualität.

Die in den Studien am häufigsten berichteten unerwünschten Wirkungen waren verstärkte Kreuzschmerzen. Es gibt Evidenz von niedriger Qualität dafür, dass das Risiko für unerwünschte Wirkungen bei der Ausübung von Yoga höher ist als bei keiner Ausübung von Bewegungsübungen, und Evidenz von niedriger Qualität dafür, dass das Risiko für unerwünschte Wirkungen bei der Ausübung von Yoga und Bewegungsübungen für den Rücken vergleichbar ist. In keiner der Studien wurde berichtet, dass Yoga mit einem Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen verbunden ist.

Was schränkt die Evidenz ein?

Da wir keine Studien fanden, in denen Yoga mit Schein‐Yoga verglichen wurde, können wir nicht sagen, wie Yoga auf Kreuzschmerzen wirken würde, wenn die Teilnehmenden nicht wüssten, dass sie Yoga praktizieren. Dass die Teilnehmenden in allen Studien wussten, ob sie Yoga praktizierten oder nicht, könnte einen Einfluss auf ihre Beurteilung der Veränderung ihrer Rückenschmerzen gehabt haben. Darüber hinaus waren einige Studien sehr klein, zu einigen Vergleichen gab es nur wenige Studien, und die Studien zu einigen Vergleichen hatten uneinheitliche Ergebnisse. Daher stuften wir die Qualität der Nachweise auf moderat, niedrig oder sehr niedrig herab.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von August 2021.

Mit freundlicher Genehmigung durch die Cochrane Library.

Weitere PT-relevante CRs der Cochrane Library Ausgabe 11/2022 (1. bis 30. November)

Geriatrie

Bewirkt die Förderung von körperlicher Aktivität während des Krankenhausaufenthaltes bei älteren Menschen eine Verbesserung ihrer Genesung und ihrer Fähigkeit zur Bewältigung normaler Alltagsaktivitäten nach der Entlassung?

Hartley P, et al. 2022. Exercise for acutely hospitalised older medical patients.

AKTUALISIERT, DEUTSCH

Übersetzung: C. Braun, T. Boßmann

Letzte Recherche: Mai 2021

Studienanzahl: 24

Link zum Review:cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD005955.pub3/full

Neurologie

Gibt es Evidenz für die Effektivität von Interventionen bei Wahrnehmungsstörungen nach einem Schlaganfall?

Hazelton C, et al. 2022. Interventions for perceptual disorders following stroke.

AKTUALISIERT, DEUTSCH

Übersetzung: B. Schindler

Letzte Recherche: August 2021

Studienanzahl: 18

Link zum Review:cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD007039.pub3/full

Autorinnen des Cochrane-Updates: Prof. Dr. Cordula Braun,
Cochrane Deutschland Freiburg, Dr. Tanja Boßmann, Richard Pflaum Verlag, pt Zeitschrift für Physiotherapeuten

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