[jr] Ein internationales Forschungsteam hat eine neue Assoziation zwischen der Darmflora und Entzündungsherden im zentralen Nervensystem (ZNS) bei Multipler Sklerose identifiziert. Bei dieser neu aufgedeckten Darm-Hirn-Achse spielen spezifische Immunzellen eine zentrale Rolle. Bestimmte B-Zellen des Immunsystems bilden eine Verbindung zwischen der Darmflora und den Entzündungsherden im ZNS der MS-Patienten und wirken dort entzündungshemmend. Diese B-Zellen heißen IgA-B-Zellen. Durch Analysen von Stuhlproben von 56 MS-Patienten und gesunden Personen stellten die Forschenden fest, dass MS-Betroffene im Darm IgA-B-Zellen tragen, die sich insbesondere gegen MS-typische Darmbakterien richten. Bei MS-Patienten häuften sich diese Zellen mit akuten Entzündungsherden in der Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit und im Hirngewebe. Eine therapeutische Nutzung wäre denkbar, indem die Zusammensetzung der Darmflora von Betroffenen gezielt verändert würde, um die IgA-B-Zellen als Helfer gegen die Entzündungen im ZNS zu mobilisieren. 

Quelle: Pröbstel AK, Zhou X, Baumann R, et al. 2020. Gut microbiota-specific IgA+ B cells traffic to the CNS in active multiple sclerosis. Sci. Immunol. 5, 53 Volltext frei