Im ersten Teil der Artikelserie erfuhren Sie, weshalb das anterolaterale Ligament (ALL) für viel Stabilitätswirbel gesorgt hat. Es existieren vielfältige Untersuchungs- und Rekonstruktionsmethoden, mit unterschiedlichen klinischen Resultaten. Die Frage ist, ob der wissenschaftliche Diskurs eine Relevanz für Physiotherapeuten hat.

Instabilität nach Kreuzbandplastik?

Moderne intraartikuläre Rekonstruktionstechniken des vorderen Kreuzbandes (VKB) erzielen für die Mehrheit der Patienten gute Ergebnisse. Allerdings können sie die normale Biomechanik des Gelenks nicht vollständig wiederherstellen, insbesondere im Hinblick auf die Rotation der Tibia (1). Eine wissenschaftliche Diskussion resultierte in einem Artikel, der besagt, dass die persistierende rotatorische Laxität nach einer VKB-Rekonstruktion häufig vorkommt (2). Dass die Ursachen multifaktoriell sind, ist logisch. Doch gemäß der neuen Sichtweise leisten die anterolateralen Strukturen einen signifikanten Beitrag zur rotatorischen Stabilität. Die Funktion des anterolateralen Ligaments (ALL) ist jedoch umstritten, weil die Literatur sehr kontroverse Resultate liefert. Dass man biomechanische Laborbefunde nicht direkt auf klinische Szenarien übertragen kann, ist eine Meinung, die auch Sonnery-Cottet in einem editorialen Kommentar teilt (3). Er stellte eine 2,5-fache Abnahme von Patellarsehnenplastikrerupturen und eine 3,1-fache Abnahme von vierfachen Semiplastikrerupturen nach einer kombinierten VKB-ALL-Rekonstruktion im Vergleich zu einer VKB-Rekonstruktion fest.