Was hat die Philosophie mit der Physiotherapie zu tun? So einiges. Denn sie kann mit ihrer ganzheitlichen Betrachtungsweise Phänomene zusammenhängend darstellen. Deshalb lohnt es sich zum Beispiel bei stressbezogenen Beschwerden, auch die soziale und psychische Komponente zu erfassen und zu behandeln, nicht nur die biologische. Das bio-psycho-soziale Modell ist für den systemischen Ansatz grundlegend, jedoch noch nicht ausreichend.

Philosophie und Physiotherapie

Der Philosoph Ropohl legt als Erkenntnismodell für den Menschen das bio-psycho-soziale (BPS) System zugrunde (1). In diesem Sinn wird der physiotherapeutische Behandlungsprozess von mehr Faktoren als der therapeutischen Intervention selbst beeinflusst. Da chronische Erkrankungen multifaktoriell sind, müssen die Akteure in der Gesundheitsversorgung ihr Wissen, Können und Handeln an der Mehrdimensionalität der Patho- und Salutogenese ausrichten. (2)

Viele Strukturmerkmale behält der menschliche Körper ein Leben lang bei, das Gehirn ist jedoch lernfähig. Die individuelle Lebensgeschichte führt beispielsweise zu Veränderungen der neuronalen Verknüpfungen und das Immunsystem passt sich an. Dies ist der Grund warum „die Reaktionen des Organismus, der immer nur im Hier und Jetzt operiert, unvorhersehbar bleiben, was die Zukunft betrifft“ (3). Deshalb ist systemisches Denken in der Therapie die Voraussetzung für systemisches therapeutisches Handeln im Sinne des BPS-Modells (3).