Politik
pt Dezember 2020

Das Für und Wider einer Therapeutenkammer

Warum jeder Therapeut eine Entscheidung treffen sollte

Stell dir vor, es ist Krise und niemand geht hin. Wie schön wäre unser Beruf, wenn der Verdienst gut wäre, unsere Lobby stark, die Autonomie groß und wir wirklich selbstbestimmt handeln und therapieren könnten. Bedingungen, die für andere Professionen selbstverständlich sind. Kann eine Kammer helfen, diese Zustände herzustellen? Unsere Autoren gehen dieser Frage nach.

Ein Beitrag von Sabine Hammer und Alexander Pradka
Lesezeit: ca. 10 Minuten
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Heilmittelerbringer – also Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen – leisten einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung und Verbesserung der Lebensqualität vieler Menschen aus allen Altersgruppen. Häufig gehen sie dabei bis an ihre eigene Leistungsgrenze oder sogar darüber hinaus. Das galt schon vor der Coronakrise. In der jetzigen Zeit wird vor allem aufgrund des Fehlens der Dienstleistungen umso deutlicher, wie wichtig die Unterstützung der Heilmittelerbringer ist.

Und nach der Krise? Der Fachkräftemangel in diesem Bereich, ohnehin schon frappierend, wird noch größer sein. Erwerbschancen und Wertschätzung sind im Vergleich zur Bedeutung der Berufe nicht angemessen. Die Ausbildung ist nicht einheitlich geregelt, Mitspracherechte – gerade auf politischer Ebene – gibt es praktisch nicht. Die Berufsverbände haben zwar in der jüngeren Vergangenheit einiges bewegt – aber reicht das? Die aktuelle Situation führt zu einer Diskussion, die eine zentrale Frage behandelt: Kann eine Therapeutenkammer die Probleme lösen? Es beteiligen sich zwar immer mehr an ihr, aber bei weitem nicht genug. Im Grunde muss sich jeder Heilmittelerbringer mit dem Thema beschäftigen und verstehen, was die Kammer leisten kann und welche Konsequenzen die Einführung hätte – denn: Ob eine Kammer gebildet wird, darüber stimmen die Angehörigen der Berufe selbst ab. Abstimmen darf hierbei jeder mit einer gültigen Berufszulassung. Das heißt, wenn die Mehrheit derer, die sich an der Abstimmung beteiligen, dafür stimmt, dann wird eine Kammer gebildet.