In der Faszientherapie gewinnen Forschungsergebnisse zunehmend an Bedeutung. Inzwischen konnten erste Zusammenhänge zwischen schmerzhaften Muskelverhärtungen und psychischen Belastungen wie Stress nachgewiesen werden. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wird über einen interdisziplinären Behandlungsansatz diskutiert, der physische und psychologische Aspekte mit einschließt, um so die Basis für Bewegung und Aktivität zu schaffen.

Faszientherapie – nur ein Hype?

Seit einigen Jahren ist das Thema Faszien nicht mehr aus dem physiotherapeutischen und sportmedizinischen Bereich wegzudenken. In nahezu jeder Praxis und in Fitnessstudios findet man inzwischen Schaumstoffrollen zur Behandlung von Faszien und es werden spezielle Kurse angeboten. Ist das nur ein Trend? Spielt der Placeboeffekt eine Rolle? Oder steckt doch mehr dahinter?

Es werden zunehmend Studien im Bereich der Faszienforschung durchgeführt, die neue Erkenntnisse bringen. So wiesen Forscher beispielsweise die aktive Kontraktionsfähigkeit der Fascia thoracolumbalis nach (1). Zudem konnten im Fasziengewebe kontraktile Muskelzellen verifiziert werden, die sich wie die glatten Muskelzellen des Darmgewebes verhalten (2). Bei Verletzungen, Fehl- oder Überbelastung können sich im faszialen Gewebe vermehrt Crosslinks bilden, welche die biomechanischen Eigenschaften, wie Elastizität und Steifigkeit, beeinflussen. Das kann zu Einbußen in der Gleitfähigkeit einzelner Muskelfasern und dadurch zu Immobilisation führen. Entzündungsprozesse und Schmerzen sind die Folge (3, 4). Zudem werden gut zwei Drittel des Wassers im extrazellulären Raum von einem Geflecht aus Faszienfasern gehalten, das wie ein Schwamm wirkt. Durch Bewegung oder Weichteiltechniken kann ein Austausch von Nährstoffen und sauerstoffhaltigem Wasser zu den Zellen angeregt werden (5). Das Fasziengewebe ist mit zahlreichen sensiblen Nervenendigungen versorgt (6). Diese reagieren auf biomechanische Reize wie Druck, Zug und Vibration und passen sich den Beanspruchungen an, denen sie ausgesetzt sind.