Der Einsatz von neuen Technologien in der Therapie nimmt zu – beschleunigt wird diese Entwicklung durch die Coronakrise. Eine wichtige Form der Intervention ist die Videobehandlung. Da die Umsetzung pandemiebedingt schnell gehen musste, starteten viele Einrichtungen einfach mit den aus dem privaten Bereich verfügbaren Ressourcen. Das europäische Datenschutzrecht sieht allerdings strenge Vorgaben für Unternehmen vor, die mit sensiblen Daten agieren.

Die Videobehandlung hat große Vorteile und kann die Präsenzbehandlung auch jenseits einer Pandemie sinnvoll ergänzen. Allerdings gilt es einige Aspekte zu beachten, damit Therapiefachkräfte ihre Leistungen auch problemlos abrechnen können. Für die Videobehandlung sind datenschutzkonforme Plattformen verpflichtend. 

Das sieht sowohl die Ausnahmeregelung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vor, die bis einschließlich 30. September 2021 gilt, als auch das jüngst verabschiedete Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG), das die Videobehandlung ab Mitte 2021 zur Regelleistung und damit dauerhaft abrechenbar durch Krankenkassen macht. 

Worauf es ankommt bei der Wahl der Technologie

Doch was genau heißt eigentlich „datenschutzkonform“? Bislang gibt es für den Therapie- und Rehabereich keine klare Angabe wie bei der Videosprechstunde für ärztliches Personal oder im Bereich der Psychotherapie, die eine sogenannte KBV-Zertifizierung vorsieht. Was aber jetzt schon ziemlich sicher ist: US-Anbieter, insbesondere solche, die kostenfrei sind, sind datenschutzrechtlich bedenklich. In der Regel sind kostenfreie Anbieter nicht für die Anwendung im Gesundheitsbereich geeignet, auch nicht in den USA selbst. Bei US-Anbietern kommt erschwerend hinzu, dass sie im deutschen Gesundheitswesen meistens nicht zulässig sind. 

Deshalb bitte darauf achten, dass:

  • der Anbieter seinen Sitz bestenfalls in DE, aber mindestens in der EU hat,
  • konform ist mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO),
  • nur mit europäischen Servern arbeitet (d. h. die Daten verlassen die EU nicht) und
  • die Video-Sitzungen Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind, was bedeutet, dass nur die an der Therapie beteiligten Personen sehen können, was gesendet oder besprochen wird – und niemand sonst, auch nicht die Plattformbetreiber; bei einem großen kostenfreien amerikanischen Dienst beispielsweise ist das erst seit Oktober 2020 der Fall.

Warum ist das alles so wichtig? Das europäische Datenschutzrecht sieht strenge Vorgaben für Unternehmen vor, die mit sensiblen Daten agieren. Diese Vorgaben sind für Unternehmen, die ihren Sitz in der EU haben, verpflichtend. Beispielhaft gehören dazu die regelrechte Verschlüsselung von sensiblen Daten sowie, dass so wenig Daten wie möglich gespeichert beziehungsweise gesammelt werden. Verstöße gegen die DSGVO werden in erheblicher Höhe geahndet.

Woher weiß ich, dass ein Anbieter datenschutzkonform ist?

Prinzipiell kann man alles in der Datenschutzerklärung nachlesen. Weil deren Lektüre natürlich mühsam sein kann, wäre es zum Beispiel einfacher, beim Anbieter bezüglich EU-Servern direkt nachzufragen. Und den Unternehmenssitz findet man im Impressum des Anbieters. Des Weiteren können die Verbände dazu Auskunft geben.

Das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz bringt Klarheit. In den kommenden Wochen und Monaten werden die Richtlinien zu den Anforderungen an die Videobehandlung gesetzlich festgelegt werden. Davon sind insbesondere die Anforderungen an den Datenschutz berührt. Möglicherweise wird es eine eigene Zertifizierung geben, doch sicher ist das nicht. Aus Sicht der Therapeutinnen und Therapeuten lohnt es sich sicherlich, auf einen Anbieter zu setzen, der bereits jetzt großen Wert auf Datenschutz legt. 

Dr. Shari Langemak

Shari Langemak

Sie ist die Co-Geschäftsführerin der Berliner Teletherapie-Plattform ALVE. Die Ärztin und Digital-Health-Expertin ist spezialisiert auf die Digitalisierung des Gesundheitswesens und beriet in dieser Hinsicht mehrere Jahre lang sowohl internationale Konzerne als auch Startups und Investoren. Im Jahr 2019 gründete sie zusammen mit der Schweizer Rehaklinik cereneo die Relearnlabs GmbH, die ALVE betreibt und Kliniken, Heilmittelerbringer und Patienten miteinander verbindet.

Kontakt: info@relearnlabs.com

pt Online, 24.06.2021