Therapeuten haben regelmäßig mit frischen Verletzungen zu tun und müssen diese in ihre Befundung und Therapieplanung einbeziehen. Streckenweise scheint es jedoch Unklarheiten über die zu berücksichtigenden Aspekte und effektive Therapieansätze zu geben – auch in der interdisziplinären Kommunikation. Dieser Artikel führt die wichtigsten aktuellen Erkenntnisse zur Wundheilung zusammen, um Unsicherheiten zu reduzieren, Therapie effektiver zu gestalten und den interdisziplinären Austausch anzuregen.

Narben sind ein Teil der Geschichte

Narben erzählen einen Teil der Geschichte jedes Menschen, denn sie sind die natürliche Folge einer Verletzung oder einer Operation. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland circa 16,5 Millionen operative Eingriffe durchgeführt (1). Hinzu kommen Tausende Verletzungen, die zwar in der Regel nicht dokumentiert sind, aber doch Wunden hinterlassen.

Als Folge einer solchen Verletzung reagiert der Körper unter physiologischen Bedingungen immer gleich: Zunächst setzt innerhalb kürzester Zeit eine Vasokonstriktion ein, um den Blutverlust zu reduzieren. Dies wird durch vasoaktive Substanzen aus den geschädigten Zellen, Hormone und das vegetative System initiiert. Um das noch intakte Gewebe jedoch weiter versorgen zu können, kommt es zu einer Vasodilatation der umliegenden Gefäße in Verbindung mit einer erhöhten Permeabilität. Nährstoffe und Flüssigkeit können nun leichter in das beschädigte Areal übertreten. Durch die Ausschüttung von vasoaktiven Substanzen wie Prostaglandinen und Histamin kommt es zudem zu einem lokal erhöhten Metabolismus. Dieser dient unter anderem der Beseitigung von potenziell eingedrungenen Erregern. Der zugehörige, wahrnehmbare physiologische Symptomkomplex ist Rötung, Schwellung, Erwärmung (2).