Frau Adam klagt in der Therapie über Gleichgewichtsprobleme und hat Angst, deshalb zu stürzen. Als Einstieg in die Untersuchung verwendet der Therapeut den Mini-BESTest. Er nutzt ihn vorrangig als Screeningtest sowie für die Erst- und Wiederbefundung, denn er kennt die Stärken und Schwächen des Tests genau. Ausgehend vom Resultat wählt er weitere Tests für Gleichgewicht und Körperfunktionen aus.

Hintergrund

Um unser Gleichgewicht in unterschiedlichsten Situationen zu bewahren und zu kontrollieren, sind verschiedene Systeme und Funktionen notwendig (1). Dieses multifaktorielle Geschehen wird auch als Rahmenmodell oder Framework bezeichnet (2–4). Assessments, die das Gleichgewicht und dessen Defizite untersuchen und analysieren, sollten dieses multidimensionale Geschehen respektieren (5, 6). Mit der Entwicklung des Balance-Evaluation-System-Tests (BESTest) haben Horak und Kollegen (6) ein Instrument mit sechs Subskalen geschaffen, das die verschiedenen Systeme für Gleichgewicht testet und analysiert. Aktuell wird sogar diskutiert, ob der BESTest als Goldstandard für die Untersuchung des Gleichgewichts gilt (7). Allerdings benötigt die Durchführung der 36 Aufgaben so viel Zeit, dass der BESTest im klinischen Alltag nicht praktikabel ist. Daher entwickelten Franchignoni et al. (8) durch eine Reduktion der Aufgaben anhand einer Raschanalyse eine Kurzversion, den Mini-BESTest. Er besteht aus vier Subskalen mit 14 Aufgaben (Tab. 1). Jede Aufgabe wird gemäß Beurteilungskriterien mit null, einem oder zwei Punkten bewertet. Maximal können 28 Punkte erreicht werden (normales Gleichgewicht). Die Durchführung des Tests dauert etwa 10 bis 15 Minuten (8). Als Material werden eine Stoppuhr, eine schräge Ebene mit zehn Grad Neigung und ein Schaumstoffkissen (Temper®-Schaumstoff, vier Inch = zehn Zentimeter) benötigt. Die Website des BESTests bietet zu jeder Aufgabe ein Instruktionsvideo und ein Video eines Patientenbeispiels mit Bewertungsschlüssel an (siehe Surftipp).