Eine wackelige Angelegenheit: Neuromuskuläre Aktivierung im Schlingengerät reduziert Beschwerden bei Patienten mit schmerzhaften Bewegungseinschränkungen. Die Effektivität dieser Behandlungsform erklärt sich durch den hohen neuromuskulären Input während der Übungsdurchführung. Anhand eines Fallbeispiels erklärt die Autorin ihre Therapiestrategie.

Anamnese

Ein 45-jähriger Patient mit der Diagnose Bandscheibenprolaps L5 / S1 mit diskreter Bedrängung der linken Nervenwurzel S1 stellt sich in der Praxis vor.

Beim Abholen aus dem Wartebereich fällt sofort auf, dass er sich beim Heben abstützt und dabei ein schmerzverzerrtes Gesicht macht. Die Funktionsuntersuchung ergibt folgenden Befund:

  • Finger-Boden-Abstand (FBA) 60 Zentimeter mit bekanntem lumbalen Schmerz bilateral, Abstützen an den Oberschenkeln beim Aufrichten
  • Der Patient zeigt ein Extensionsmuster: kaum lumbale Flexion möglich, starker Hypertonus der lumbalen Muskulatur.
  • Reflexe, Sensibilität und Kraft in der unteren Extremität sind im Seitenvergleich unauffällig.
  • Straight-Leg-Raise-Test (SLR) unauffällig
  • Hauptproblem im Alltag: Schuhe anziehen, Bücken
  • Morgendliche Anlaufschmerzen und Schmerzen nach längerem Stehen oder nach dem Sport, auf der Numerischen Ratingskala (NRS) durchschnittlicher Wert von fünf
  • Sport: mehrmals pro Woche Joggen und Schlingentraining zu Hause

Erster Termin

In der ersten Behandlungseinheit untersuche ich die Aktivierbarkeit der Bauchmuskulatur des Patienten mit dem Ultraschallgerät. Es fällt ihm auch nach mehrmaliger Anleitung schwer, seinen M. transversus abdominis isoliert anzuspannen. Schnell liegt der Verdacht nahe, dass sich sein Bewegungsmuster und die Ansteuerung seiner Rumpfmuskulatur verändert haben. Die tiefliegenden Stabilisatoren (M. transversus abdominis, Mm. multifidii) sind insuffizient, die oberflächliche Muskulatur hingegen hyperton. Auf der Grundlage dieses Befundes gebe ich dem Patienten zwei Heimübungen mit: Im Vierfüßlerstand soll er üben, seine Lendenwirbelsäule (LWS) zu flektieren, außerdem erkläre ich ihm, wie er seine tiefliegende Bauchmuskulatur isoliert anspannen kann.