Patienten mit neurologischen Erkrankungen profitieren von einem Training, das die Prinzipien des motorischen Lernens berücksichtigt. Dazu gehören unter anderem aufgaben- und zielorientiertes Üben im Alltagskontext, Repetition und Shaping, das heißt systematisches Üben an der Leistungsgrenze. In spezialisierten Einrichtungen arbeiten Therapeuten bereits nach diesen Prinzipien; wenn es aber um die langfristige Nachsorge geht, ist das Angebot unzureichend. Das soll sich zumindest im Großraum München künftig ändern.

Im November 2017 fand das Gründungstreffen des Neuro-Netz-Werks im Münchner Würmtal statt. Was sind die Hintergründe dafür?

Ich habe lange Zeit in einer ambulanten Reha-Einrichtung für neurologische Komplexbehandlung und Nachsorge gearbeitet und musste feststellen, dass es sehr schwer ist, Therapeuten für die langfristige Behandlung zu finden. Seit 2014 bin ich selbstständig tätig und biete klientenzentrierte und evidenzbasierte Physiotherapie für Patienten mit neurologischen Erkrankungen an. Ich habe keine Praxisräume, sondern gehe zu den Patienten nach Hause. In deren Umfeld ist das aufgabenorientierte Üben ja besonders sinnvoll. Diese Leistung kann ich allerdings aktuell nur für Privatpatienten anbieten, denn ohne Praxisräumlichkeiten darf ich nicht mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Es gibt bisher keine strukturellen Grundlagen, um für die Patienten eine optimale Versorgung über die Sektorengrenzen hinweg zu gewährleisten.