Eigentlich ist es ganz einfach: Wir untersuchen bei Patienten mit subakromialem Schmerzsyndrom die gestörte Schulterfunktion und finden beeinflussende Faktoren heraus. Das kann eine Nozizeption in der Peripherie oder eine noziplastische Veränderung in der Schmerzverarbeitung sein. Mit diesen Erkenntnissen und der bekannten Evidenz besprechen und planen wir mit dem Patienten die Therapie. Die Übungstherapie, bei Bedarf ergänzt durch passive Mobilisation, ist dabei die effektivste Therapiemaßnahme.

Strukturdiagnose versus Funktionsdiagnose

Bereits 1872 beschrieb der französische Chirurg S.-E. Duplay die nicht-traumatische Periarthritis humeroscapularis und empfahl als Behandlung Gymnastik der oberen Extremität, Strom, Hydrotherapie und Massage (1). Cyriax differenzierte danach bei Schulterschmerzen die Tendinitis, Bursitis subacromialis/subdeltoidea, eine Ruptur der Rotatorenmanschette und Frozen Shoulder, um seine strukturspezifische Behandlung durchführen zu können (2). Physiotherapeuten benutzen heute im täglichen Sprachgebrauch gern ärztliche Strukturdiagnosen wie Tendinopathie und Bursitis zur Beschreibung von Schulterproblemen. Die Ursache des Schmerzes sind jedoch nicht immer pathologische Veränderungen. So fanden sich beispielsweise bei 52 Prozent der untersuchten Erwachsenen ohne Schulter-Impingement-Syndrom Auffälligkeiten in der Rotatorenmanschette im Vergleich zu 58 Prozent bei gleichaltrigen Patienten mit Impingement-Syndrom (3). Da wir Physiotherapeuten mit Bewegung arbeiten, sollten wir eine physiotherapeutische Diagnose erstellen, die Haltungs- und Bewegungsstörungen beschreibt, welche mit dem Schmerz und der Funktionseinschränkung korrelieren (4-7), zumal wir diese letztendlich auch an der Schulter behandeln (8). Der folgende Beitrag zeigt, dass Schmerz und Funktionsstörung an der Schulter recht einfach behandelt werden können – basierend auf wissenschaftlicher Evidenz.