Die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen im Gesundheitswesen wird für die patientenorientierte, sichere und effektive Versorgung zunehmend wichtiger. Vor allem die Herausforderungen einer alternden Bevölkerung, die zunehmend chronischen Erkrankungen und der stetige Wissenszuwachs in den Disziplinen des Gesundheitswesens erfordern immer mehr und effektivere Kooperation zwischen den Gesundheitsberufen. Die Fähigkeit zur interprofessionellen Zusammenarbeit ist somit für alle Gesundheitsberufe wichtig und Lernende sollten diese in der Ausbildung beziehungsweise im Studium erwerben können.

Der Wissenschaftsrat, der Sachverständigenrat, aber auch viele Verbände und Fachgesellschaften der Gesundheitsberufe empfehlen, interprofessionelle Ausbildung in die Curricula der Gesundheitsausbildungen und -studiengänge zu integrieren (1–3). Interprofessionelle Ausbildung bedeutet, dass zwei oder mehr Berufsgruppen miteinander, voneinander und übereinander lernen. Das Ziel dabei ist die Verbesserung der Versorgungsqualität (4). 

Ausgangslage in Deutschland

Aufgrund der heterogenen Ausbildungslage der Gesundheitsberufe in Deutschland ist die Entwicklung und Implementierung interprofessioneller Lehre in die Curricula herausfordernd. Während die Ausbildung der traditionell akademischen Berufe, wie zum Beispiel Medizin oder Pharmazie, an Universitäten stattfindet, werden die Gesundheitsfachberufe, etwa Physiotherapie oder Pflege, an Berufsfachschulen oder in Bachelorstudiengängen ausgebildet. Diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen erschweren die Umsetzung interprofessioneller Lehrveranstaltungen, da zunächst organisatorische und rechtliche Hürden überwunden werden müssen (5). Hinzu kommen zahlreiche inhaltliche Fragestellungen, beispielsweise der passende Zeitpunkt, geeignete Themen und die richtige Zusammensetzung der Berufsgruppen für gemeinsame Lehrveranstaltungen. Hier besteht derzeit noch erheblicher Forschungsbedarf (3, 6).