Welche Faktoren oder Bedingungen sind für motorisches Lernen wesentlich? Zu dieser Frage gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Forschungsergebnissen. OPTIMAL ist eine kürzlich entwickelte Theorie und steht für „Optimizing Performance Through Intrinsic Motivation and Attention for Learning“. Das Zentrum bilden zwei motivationale Faktoren und ein aufmerksamkeitsbezogener Faktor. Therapeuten sollten diese Aspekte bei der Anleitung von Übungen und beim Feedback berücksichtigen – der Lernerfolg ist dadurch nachweislich effektiver.

Ein Beitrag von Gabriele Wulf

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Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie

Theorien haben wichtige Funktionen auf ihrem jeweiligen Gebiet. Sie erklären bestimmte Phänomene (zum Beispiel motorisches Lernen) und beinhalten Vorhersagen, die experimentell getestet werden können. Die entsprechenden Befunde können Aspekte der Theorie verifizieren oder falsifizieren. Darüber hinaus haben Theorien oft bedeutende praktische Implikationen. Wie schon Kerlinger (1) bemerkte: Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie. Im Bereich des motorischen Lernens hatten die Closed-Loop-Theorie von Adams (2) und die Schema-Theorie von Schmidt (3) großen Einfluss auf die Forschung in den Jahren nach ihrer Veröffentlichung. Seitdem verlief die motorische Lernforschung relativ theorielos. Dennoch wurden viele neue Einsichten darüber gewonnen, wie bestimmte Variablen das Lernen von Bewegungsfertigkeiten beeinflussen. Rebecca Lewthwaite und ich veröffentlichten 2016 eine neue Theorie: „Optimizing Performance Through Intrinsic Motivation and Attention for Learning“ (OPTIMAL) (4). Die Theorie integriert Befunde der letzten Jahre und beschreibt Faktoren oder Bedingungen, die für motorisches Lernen wesentlich sind. Sie erklärt, auf welche Weise diese Bedingungen unmittelbar die Ausführung von Bewegungen (motorische Leistung) und längerfristig das Lernen von motorischen Fertigkeiten beeinflussen.