Therapie
pt Januar 2023

Einfluss der Therapeutischen Allianz auf Behandlungsprozess und -ergebnis

In der Novemberausgabe 2022 beschäftigte sich der Autor bereits mit der Definition des Begriffs "Therapeutische Allianz" (TA), mit der Frage nach der adäquaten Beziehungsgestaltung und Kommunikation sowie praktischen Empfehlungen. In diesem anschließenden Beitrag geht es nun überwiegend um den Einfluss der TA auf einzelne Aspekte des physiotherapeutischen Prozesses bis hin zum Behandlungsergebnis.

Ein Beitrag von Thilo Oliver Kromer
Lesezeit: ca. 10 Minuten
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Anknüpfend an den ersten Beitrag zu diesem Themenkomplex ist es sinnvoll, sich die TA nicht nur vor dem Hintergrund der Policy Statements des Weltverbandes World Physiotherapy (früher WCPT) (1), sondern ergänzend dazu auch vor dem Hintergrund des Rollenmodells anzuschauen, welches im kanadischen „Physician Competency Network (CanMEDS) (2) beschrieben wird. Ursprünglich für die Ausbildung von Medizinern entwickelt, findet dieser Kompetenzrahmen inzwischen in vielen Ländern bei Medizinern und anderen Gesundheitsberufen Anwendung. Ziel ist es, dass Physiotherapeuten diese Rollen flexibel und situationsangepasst einnehmen und zielorientiert aus ihnen heraus agieren können; sie bilden somit die Grundlage für die professionsspezifische Entwicklung der Kompetenzen, welche von Physiotherapeuten zukünftig erwartet werden. Neben der Originalliteratur (CanMEDS) ist auch die Lektüre der Rollenbeschreibungen durch die Fachkonferenz Gesundheit der Fachhochschulen der Schweiz (3) in deutscher Sprache empfehlenswert. Hier erfolgt eine Kurzbeschreibung der Rollen im Einzelnen:

  • Experte in Physiotherapie: Umfasst die Kompetenzen des physiotherapeutischen Prozesses vom ersten Kontakt bis zur Evaluation. Dieser Prozess ist personenzentriert, beinhaltet Veränderungs- und Ressourcenarbeit, sowie die aktive Unterstützung zu einer besseren Teilhabe.
  • Teamworker: Beinhaltet die respektvolle, konstruktive und lösungsorientierte Arbeit mit Patienten und anderen Berufsgruppen mit dem Ziel einer optimalen Patientenversorgung.
  • Kommunikator: Befähigt zu einer aktiven und vertrauensvollen Beziehungsgestaltung als unterstützende Grundlage für physiotherapeutische individuelle Interventionen, für die partizipative Entscheidungsfindung zu Zielen und Maßnahmen sowie zu lösungsorientierten Konfliktklärungen. Der effiziente Einsatz aktueller Informations- und Kommunikationstechnologien wird für diese Rolle vorausgesetzt.
  • Health Advocate: Betont die Rolle der Physiotherapie in Rehabilitation, Prävention und Gesundheitsförderung sowie Sensibilisierung, Motivation und Beratung von Patienten zu gesundheitsförderndem Verhalten. Außerdem fordert diese Rolle die Erfassung der Gesundheitskompetenz des Gegenübers und ein daran angepasstes Vorgehen. In dieser Rolle kommen Beratungs- und Ermächtigungskompetenzen für Veränderungsprozesse sowie der gezielte Einsatz bewegungs- und aktivitätsfördernder Konzepte zum Einsatz.
  • Leader (Manager): Fordert die Verantwortung für den physiotherapiespezifischen Versorgungsprozess unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Betroffenen, den organisatorischen Anforderungen, den persönlichen Ressourcen der Physiotherapeuten und den vorhandenen Ressourcen im Gesundheitswesen.
  • Lehrender, Lernender: Betont das selbstständige Aktualisieren des eigenen Wissens und den Transfer desselben in die berufliche Praxis. Aus dieser Rolle heraus sollen Physiotherapeuten unter Anwendung lerntheoretischer Strategien die Betroffenen dabei unterstützen, mehr Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.
  • Professionsangehöriger: Beinhaltet die Verpflichtung zur Einhaltung beruflicher und ethisch-moralischer Grundsätze im Arbeitskontext sowie die Weiterentwicklung der Profession, das wirtschaftliche und unternehmerische Handeln.

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