Politik
pt April 2021

„Endloses Ärgernis“?

Schiedsverfahren zum Bundesrahmenvertrag: Weder Vergütung noch Leistungsbeschreibung sind geregelt

Nach zahlreichen Verhandlungsrunden ist der vorliegende Schiedsspruch enttäuschend. In entscheidenden Punkten sind auch nach zähen Verhandlungsrunden noch keine Verbesserungen für Physiotherapeuten in Deutschland in Sicht. Das ist traurig, bietet aber zumindest für uns als Berufsgruppe auch neue Chancen. Während die Kassen auf stur schalten, raufen sich die berufspolitischen Akteure zusammen. Der Versuch einer Rekonstruktion hochkomplexer Zusammenhänge und warum nicht immer alles einfach zu lösen ist.

Ein Beitrag von Jörg Stanko und Tanja Boßmann
Lesezeit: ca. 10 Minuten
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Die immer gleiche physiotherapeutische selbsterfüllende Prophezeihung?

Manche von uns kennen dieses Grundgefühl noch aus dem letzten Jahrhundert. Irgendwo verhandelt irgendwer mit irgendwem („den Krankenkassen“) und dabei kommt nichts heraus. In unserer Selbstwahrnehmung arbeiten wir schon immer am Limit, immer zum Besten unserer Patienten und natürlich immer volle Kanne, alleine die Kostenträger scheinen das nicht zu bemerken, geschweige denn zu honorieren. Derweil verschleißen unsere eigenen Knochen, weitere Generationen kommen nach und viele aus dem Nachwuchs verschwinden schneller als sie gekommen sind. Fachkräftemangel sagen die Experten dazu.

Eine Kollegin kam vor ein paar Tagen emotional aufgewühlt in die Praxis: „Jetzt sollen wir auch noch im 15-Minuten-Takt arbeiten.“ Sie schien kurz vor einem Herzinfarkt zu stehen. Der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt?

Aber noch einmal von vorne. Vielleicht ist die Situation gar nicht so schlimm, wie es einige Schlagzeilen („Schiedsverfahren gescheitert“) suggerieren. Wir sind daran gewöhnt, dass Vergütungsverhandlungen hinter verschlossenen Türen stattfinden. Mangelnde Transparenz wird den Akteuren schon lange vorgeworfen. Als langjähriger Beobachter der Szene kann man nun erstaunt feststellen, dass die Ergebnisse des Schiedsverfahrens vom 26. Februar 2021 für jedermann zugänglich in Videokonferenzen kommuniziert werden (1, 2). Da scheint eine neue Ära anzubrechen.