Das chronische Unterbauchschmerzsyndrom ist gar nicht so selten, wird aber in der Praxis oft nicht oder erst spät erkannt. Laut Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Urologie sollte die Therapie multimodal und unter Einbezug der Physiotherapie stattfinden. Studien konnten bereits positive Effekte von physiotherapeutischen Maßnahmen auf Schmerz, Funktion und Lebensqualität zeigen.

Männer und Frauen betroffen

Das chronische Unterbauchschmerzsyndrom (Chronic Pelvic Pain Syndrome – CPPS) ist charakterisiert durch kontinuierliche oder intermittierende Schmerzen für die Dauer von mindestens sechs Monaten, die in mit dem Becken in Verbindung stehenden Strukturen empfunden werden. Dazu treten oft negative kognitive, behaviorale, emotionale oder sexuelle Konsequenzen auf. Ein weiteres Charakteristikum des Schmerzsyndroms ist die fehlende Nachweisbarkeit von Infektionen oder anderen Pathologien (1). Sowohl Frauen als auch Männer sind von CPPS betroffen, wobei die Schmerzstörung bei Frauen wahrscheinlich etwas häufiger auftritt. Die Zahlen zur Prävalenz schwanken bei beiden Geschlechtern stark und liegen für Frauen zwischen zwei und 26,5 Prozent (2) und bei Männern zwischen zwei und 18 Prozent (3). Die Ursachen für Entstehung und Aufrechterhaltung von CPPS sind noch nicht vollumfänglich geklärt, im Allgemeinen wird aber von einer multifaktoriellen Genese ausgegangen (4). In der diagnostischen Abklärung sollte daher eine multiprofessionelle Evaluation erfolgen (1, 5).