Anna ist neun Jahre alt und leidet seit Beginn der Schulzeit immer häufiger unter Rückenbeschwerden. Weder dem Kinderarzt noch ihren Eltern ist die zunehmende Verkrümmung von Annas Wirbelsäule aufgefallen. Erst die Untersuchung bei einem Spezialisten der Kinderorthopädie bringt Klarheit: Anna hat eine idiopathische Skoliose mit einem Cobb-Winkel von 20 Grad. Daher sind für sie zunächst skoliosespezifische Übungen indiziert.

Ausschlussdiagnose

Bei der Skoliose handelt es sich um eine dreidimensionale Verkrümmung der Wirbelsäule. Sie manifestiert sich meist im Alter von zwölf bis 14 Jahren. Die Krümmungen können sich thorakal, lumbal oder in beiden Abschnitten befinden. Etwa drei bis fünf Prozent der deutschen Bevölkerung sind betroffen; in 80 bis 90 Prozent der Fälle handelt es sich um eine idiopathische Skoliose. Mädchen sind viermal häufiger betroffen als Jungen (1). Die Diagnose der idiopathischen Skoliose erfolgt als Ausschlussdiagnose. In der Praxis angewandte Assessments sind der Adams-Vorbeugetest (2) und das Skoliometer (3). Beim Vorbeugetest untersucht der Therapeut, ob ein Rippenberg und / oder ein Lendenberg vorhanden sind („Lendenberg“ ersetzt den bisher bekannten Begriff „Lendenwulst“). Mit dem Skoliometer wird beim Vorbeugetest die Rotation des Oberkörpers gemessen. Das Ausmaß der Skoliose objektiviert der Orthopäde anhand des Cobb-Winkels; ab zehn Grad liegt eine Skoliose vor. Mittels Röntgenbild werden die genaue Lokalisation und den Schweregrad bestimmt.