Im November 2018 konnten sich über 1.000 Teilnehmer in Berlin auf dem fünften International Fascia Research Congress ein Bild davon machen, was zur Zeit bezüglich Faszien diskutiert wird. Neben Beiträgen zur Anatomie und molekularen Biologie wurden die Diskussionen auch auf viele weitere Bereiche ausgedehnt. Unsere Autorin hat für Sie einige interessante Themen herausgesucht.

Die myofaszialen Spuren der Vorfahren lesen

Der Tractus iliotibialis (TIT) wird oft als reine laterale Stabilisierung der Hüfte missverstanden. Laut Daniel Lieberman erfüllt der menschliche TIT jedoch eher die Funktion einer Sprungfeder für die sagittale Ebene in der Schwungbeinphase des Laufens, was besonders im Vergleich mit derselben Struktur beim Schimpansen deutlich wird (1).

Der Evolutionsmediziner aus Harvard (USA) forscht hauptsächlich im Bereich der komparativen Anatomie, um daraus Rückschlüsse auf unsere eigene Evolution zu ziehen. Der Vergleich mit anderen Primaten, die eher sparsamer zu Fuß unterwegs sind, zeigt, wie sehr sich der TIT vor allem an das Laufen angepasst hat – besonders, um die während der Standbeinphase gespeicherte Energie in der Schwungbeinphase zurückzugeben. Allein dieser Mechanismus bewirkt erstaunliche fünf Prozent Ersparnis in den Energiekosten für die menschliche Fortbewegung.