Bei Darmbeschwerden zum Physiotherapeuten? Fragt man den brasilianischen Physiotherapeuten Paulo Bastos, könnte dies bald Realität werden. Der Forscher fasst in diesem Beitrag zusammen, welche biomechanischen und muskulären Verhältnisse bei den häufig vorkommenden funktionellen abdominalen Distensionen und Blähungen eine Rolle spielen und welche Perspektiven sich damit für Physiotherapeuten eröffnen.

Hintergrund

Völlegefühl, Druck im Bauch, der Gürtel muss lockerer geschnallt werden – solche Symptome sind häufige Begleiter einer Vielzahl von Erkrankungen. Einerseits können sie auf ernst zu nehmende Zustände hinweisen, zum Beispiel Leberzirrhose, Tumoren, Zöliakie und infektiöse Darmerkrankungen (1). Allerdings gehören Blähungen und eine Zunahme des Bauchumfangs auch zum Erscheinungsbild einer Gruppe von Diagnosen, die Gastroenterologen heutzutage noch vor große Herausforderungen stellt: funktionelle gastrointestinale Beschwerden. Zuletzt im Rome-IV-Konsens (siehe Glossar) eingeteilte Krankheitsbilder wie das Reizdarmsyndrom, funktionelle Dyspepsie oder funktionelle abdominale Distension und Blähung sind für eine hohe Nachfrage von Leistungen im Gesundheitssystem verantwortlich (2). Bisher waren sie oft mit dem Stigma behaftet, keinen Zusammenhang mit somatischen Störungen aufzuweisen (3). Mittlerweile beschäftigt man sich intensiver mit der Erforschung ihrer grundlegenden Mechanismen und möglicher Therapiestrategien.