Nach einer Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes (VKB) zeigen Patienten häufig ein gestörtes arthrokinematisches Roll-Gleit-Verhalten mit einem eingeschränkten Bewegungsausmaß. Die Gleitmobilisation und das Funktionsgleiten der Manuellen Therapie sind mögliche Behandlungstechniken. Ob diese Gelenkspieltechniken überhaupt eine Veränderung des Bewegungsausmaßes bewirken und ob es dabei einen Unterschied gibt, analysierte eine deutsche prospektive Pilotstudie. 

Für Eilige

Funktionsgleiten und Gleitmobilisation erwiesen sich in der Pilotstudie beide als effektiv. Im Vergleich zeigte sich bei der Flexion zwar kein signifikanter Unterschied, jedoch beim Schmerzempfinden. Die Ergebnisse sind vielversprechend, sollten allerdings noch langfristig und mit einer Kontrollgruppe ohne Manuelle Therapie geprüft werden.

Die vordere Kreuzbandruptur zählt zu den häufigsten Kapsel-Band-Verletzungen des Kniegelenkes. In den ersten sechs Wochen nach der Operation liegen die Schwerpunkte der physiotherapeutischen Behandlung auf Entzündungshemmung, Schmerzreduktion und Mobilisation. Auf Basis biologischer und biomechanischer Erkenntnisse ist sie dadurch für das klinische Ergebnis von großer Bedeutung (1). Postoperativ zeigt das Kniegelenk eine Bewegungseinschränkung in Flexion und Extension mit einer veränderten Gelenkmechanik: Durch eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) liegt post-operativ oftmals ein gestörtes arthrokinematisches Roll-Gleit-Verhalten aufgrund von Ruhigstellung, Muskelatrophie und einer veränderten Kapselspannung vor. Durch die verminderte Gleitkomponente, gesteuert durch Muskulatur und Kapsel-Band-Strukturen, überwiegt bei Bewegungen im Tibiofibulargelenk die Rollkomponente. Die Folge ist eine Verlagerung der Bewegungsachse. Wird das Kniegelenk endgradig mobilisiert, kommt es neben einer Straffung periartikulärer Strukturen zu einer Erhöhung des Gelenkdruckes und am Bewegungsende zu einem Kanten der Gelenkflächen. Dies führt wiederum zu einer möglichen sekundären Schädigung der Gelenkflächen. Behandlungsziel ist daher die Wiederherstellung der Gleitkomponente zur Normalisierung der Gelenkmechanik und zur Erweiterung des Bewegungsausmaßes.