In einer Physiotherapiepraxis kommen täglich verschiedene Medizinprodukte zum Einsatz. Der Praxisinhaber ist als Betreiber dieser Geräte für deren Sicherheit verantwortlich. Leider kann auch mit einer vermeintlich ungefährlichen Therapieliege etwas passieren, wie Auswertungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zeigen – eigentlich keine Neuigkeit. Allerdings gibt es immer noch genügend Geräte, die nicht den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen.

Ein Beitrag von Karsten Pluta und Frank Pösse

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35 Vorkommnisse mit Behandlungsliegen

Laut BfArM sind mehrere Fälle bekannt, „bei denen Personen durch versehentliches Betätigen der Steuerung im Hubmechanismus von elektrisch höhenverstellbaren Therapieliegen eingeklemmt wurden“ (1). 2004 gab es den ersten tödlichen Unfall im Zusammenhang mit einer Therapieliege: Das Kind einer Therapeutin wurde von der herabfahrenden Liege auf den Ab-Taster gedrückt und konnte diesen nicht mehr loslassen – tragisch und gleichzeitig unverständlich, da das Konzept der integrierten Sicherheit, das heißt die Forderung nach einer Sperrbox, bereits vor diesem Unfall bekannt war. Daher wies das BfArM im selben Jahr die Hersteller und Betreiber an, elektrisch höhenverstellbare Liegen mit Schutzvorrichtungen (Sperrbox) auszustatten beziehungsweise umzurüsten (Anhang I Nr. 2 der Richtlinie 93 / 42 / EWG über Medizinprodukte). Eine wissenschaftliche Aufarbeitung des BfArM aus dem Jahr 2008 (2) verweist auf 35 gemeldete Fälle, in denen es zu Vorkommnissen mit Behandlungsliegen kam. Und auch in jüngster Vergangenheit gab es wieder Unfälle mit Liegen ohne Sperrbox: 2017 wurde beispielsweise eine Reinigungskraft unter einer Massageliege eingequetscht und tödlich verletzt (3). Da sie alleine in der Praxis war, wurde sie erst Stunden später gefunden.