Anna und Vinzent sitzen an einem Fall – es geht um einen Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen. Anna studiert im ersten Semester Medizin und Vinzent ist ange-hender Physiotherapeut im zweiten Semester. Gemeinsam überlegen sie, wer im interprofessionellen Team welche Aufgabe hat und wie sie die optimale Versorgung des Patienten nach aktuellem Forschungsstand gewährleisten können.

Implementierung über den Verlauf des Studiums

Im World Health Report 2008 (1) bezeichnet die WHO das momentan bestehende Gesundheitssystem als ungeeignet, um gesellschaftlichen Herausforderungen adäquat begegnen zu können. Um in der gesundheitlichen Versorgung das qualitative Niveau zu verbessern, sind kontinuierliche Anpassungen der Gesundheitsversorgung notwendig (2). Dabei rückt die interprofessionelle Ausbildung immer mehr in den Fokus, um die zunehmend komplexer werdenden Herausforderungen bewältigen zu können (3–6): „Denn der demografische Wandel, der Anstieg von chronischen Erkrankungen und Multimorbidität, die Digitalisierung und die zunehmende Technisierung von Versorgungsprozessen gehen einher mit einer kontinuierlichen Professionalisierung der Gesundheitsberufe und verändern die Anforderungen an die Versorgungspraxis“ (7). Da die Fähigkeit, interprofessionell zusammenzuarbeiten, als eine ärztliche Schlüsselkompetenz beispielsweise im Outcome-Rahmenwerk CanMEDs oder auch in der Approbationsordnung für Ärzte formuliert ist, möchte die Universität Witten / Herdecke (UWH) mit der Implementierung der interprofessionellen Ausbildung über den gesamten Verlauf des Medizinstudiums den genannten Anforderungen gerecht werden (8, 9).