Jugendliche spiegeln gesellschaftliche Trends in ihrem Körper, in ihrer Psyche und in ihrem Verhalten. Man kann geradezu sagen, sie bilden den gesundheitlichen Zustand der ganzen Gesellschaft ab. Heftige Umbrüche und Krisen hinterlassen bei ihnen unmittelbar ihre Spuren. So ist es auch heute: Die Lebensphase Jugend befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel.

Ein Beitrag von Klaus Hurrelmann

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Gesundheitliche Risiken der Lebensphase Jugend

Die Pubertät verschiebt sich im Lebenslauf zunehmend nach vorne und beginnt inzwischen bei durchschnittlich zwölf Jahren. Dadurch wird die Kindheit immer kürzer und die turbulente Auseinandersetzung mit Körper und Psyche startet so früh in der Lebensgeschichte wie noch nie. Diese Entwicklung dürfte auf das Zusammenspiel von Ernährungsgewohnheiten und Zusammensetzung der Nahrung, auf die Impuls- und Rhythmusbeschleunigungen des sozialen Lebens, aber auch auf intensive Medieneinflüsse und den verstärkten Anregungsgehalt der Freizeitaktivitäten zurückzuführen sein. Die Jugend beginnt damit so früh wie noch nie, aber sie findet kein richtiges Ende mehr. Die Bildungs- und Ausbildungswege sind lang geworden und erstrecken sich mitunter bis ins dritte Lebensjahrzehnt hinein. Dadurch ist das Jugendalter nicht mehr wie in früheren Generationen eine Art Übergang von der abhängigen Kindheit in das unabhängige Erwachsenenalter, sondern muss von den jungen Leuten als eine eigene Lebensphase von im Durchschnitt 15 Jahren mit eigenen Regeln und Anforderungen gestaltet werden.