Herr Müller ist 80 Jahre alt und klagt über häufige Gleichgewichtsstörungen. In der Anamnese berichtet er über Beschwerden beim Aufstehen und Gehen, Unsicherheit auf unebener Straße und nachts oder im Dunkeln. Aufgrund der vermuteten multifaktoriellen Ursachen folgt eine umfassende Untersuchung. Die anschließende Therapie ist nach wenigen Behandlungen erfolgreich.

Zu Haltung und Gleichgewicht existiert keine einheitliche Definition (1). Vereinfacht besteht Gleichgewicht in der Erhaltung der Körperposition im Schwerkraftfeld und dies in verschiedenen Situationen, Umgebungen und Aufgaben. Das Zentralnervensystem (ZNS) muss den Körperschwerpunkt über der Unterstützungsfläche kontrollieren. Das Gleichgewicht kann nicht nur als reine Reaktion auf einen äußeren Störreiz angesehen werden. Vielmehr spielen frühere Erfahrungen genauso eine Rolle wie körperliche Voraussetzungen: sensorische Funktionen, Kraft, Beweglichkeit, Koordination, Wahrnehmung und Kognition (2). Beispielsweise wurde in zahlreichen Untersuchungen gezeigt, dass wir zur Erhaltung des Gleichgewichts je nach Störungsart verschiedene Strategien zur Verfügung haben: die Fuß-, Hüft- und Schrittstrategie (3).