Seit 2008 gibt es in Schweden das evidenzbasierte Physiotherapieprogramm für Gon- und Koxarthrose „Better Management of Patients with Osteoarthritis“ (BOA). Es beinhaltet zwei 90-minütige Theoriestunden im Gruppensetting mit Informationen und Übungen. Ziel ist es, die Selbstwirksamkeit der Patienten im Umgang mit der degenerativen Erkrankung zu verbessern. In einer individuellen Therapiesitzung vermittelt ein Physiotherapeut danach Übungen; diese führen die Teilnehmer entweder selbst zu Hause oder in angeleiteten Gruppen durch (sechs bis acht Wochen). Dazu wurden im Vorfeld die Physio- und Ergotherapeuten hinsichtlich leitliniengerechter Arthrose-Therapie an ein bis zwei Tagen geschult und mit Schulungsmaterial für die Therapie versorgt.

Die Entwicklung und Implementierung dieses Therapieprogrammes war notwendig geworden, da es eine offensichtliche Diskrepanz zwischen den Leitlinienempfehlungen und der Patientenbehandlung gab. Inzwischen ist BOA in die schwedische Primärversorgung von Arthrose-Patienten integriert und wird an mehr als 700 Einrichtungen angewandt. Dieses Jahr erfolgte die Auswertung der Daten von 44.634 Patienten mit Gon- oder Koxarthrose in einer nationalen Registerstudie. Die Forscher verglichen die Ausgangsdaten mit den Ergebnissen nach drei und zwölf Monaten. Zu den untersuchten Zielgrößen gehörten:

  • Schmerzintensität: Numerische Ratingskala (NRS)
  • Lebensqualität: EuroQol Five Dimension Scale (EQ-5D)
  • Selbstwirksamkeit bei Arthrose: Arthritis Self-Efficacy Scale (ASES)
  • Schmerzfrequenz, Medikamenteneinnahme, Angstvermeidungsverhalten, körperliche Aktivität, Wunsch nach Gelenkersatz, Krankheitstage

Nach drei Monaten hatten die Patienten mit Gonarthrose (n = 30.686) und Koxarthrose (n = 13.948) signifikant weniger Schmerzen (NRS), eine höhere Selbstwirksamkeit (ASES) und gesteigerte Lebensqualität (EQ-5D). Zudem gaben weniger Patienten an, mehr als einmal pro Woche Gelenkschmerzen zu spüren. Damit verbunden waren eine reduzierte Schmerzmedikation, weniger Angstvermeidungsverhalten und Inaktivität sowie eine geringere Bereitschaft, sich operieren zu lassen. Nach weiteren neun Monaten gaben die Probanden ähnliche Erfolge in der postalischen Befragung an. Es konnten die Ergebnisse von 21.647 Patienten mit Gonarthrose und 8.898 Personen mit Koxarthrose ausgewertet werden: Schmerzstärke, Lebensqualität und Selbstwirksamkeit hatten sich verbessert. Signifikant weniger Patienten klagten über tägliche Schmerzen, zogen einen (Hüft-)Gelenkersatz in Betracht, berichteten über Angstvermeidungsverhalten oder waren arbeitsunfähig.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass ein evidenzbasiertes Edukationsprogramm mit Übungen, wie BOA, mittel- und langfristig erfolgreich sein kann. Dies ist für Patienten und Therapeuten wichtig, aber auch volkswirtschaftlich interessant aufgrund einer geringeren Zahl von Krankheitstagen, Operationen, Folgekosten und weniger Ausgaben für Medikamente.

Quelle: Jönsson T, et al. 2019. The better management of patients with osteoarthritis program: outcomes after evidence-based education and exercise delivered nationwide in Sweden. PLoS One 14, 9:e0222657 Volltext frei

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31536554