Es gibt mehr als 80 Anbieter von Fortbildungen in der Manuellen Therapie. Junge Kollegen haben diese Ausbildung nach dem Examen oft auf der Wunschliste, denn Manualtherapeuten sind anerkannte Kollegen. Mit ein paar geschickten Handgriffen und Mobilisationstechniken werden Schmerzpatienten plötzlich beschwerdefrei … stopp! So funktioniert das nicht. Hat es übrigens noch nie.

Wie definieren wir Manuelle Therapie?

Die erste wichtige Frage, die es in diesem Kontext zu klären gilt, ist, wie wir Manuelle Therapie eigentlich definieren. Das Konzept ist weitaus mehr als eine Reihe von passiven Mobilisationstechniken. Es handelt sich um ein Befund- und Behandlungskonzept, zu dem selbstverständlich auch Aktivität, Edukation und die Vermittlung von Selbstmanagement-Strategien gehören.

Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel

Aber auch die Manuelle Therapie mit moderner Definition muss sich die Frage stellen, welche Tests und Maßnahmen zu empfehlen sind und welche in die Kiste „oldschool“ gehören. Warum lernen Schüler und Studenten zum Beispiel immer noch Palpationstechniken und Bewegungstests, obwohl wir aus Studien längst wissen, dass deren Validität und Reliabilität fraglich sind (1–3)? Ein anderes schönes Beispiel ist die siebenstufige Skala zur Beurteilung der Gelenkmobilität, die folgende Abstufungen beinhaltet: 1) stark hypomobil, 2) moderat hypomobil, 3) gering hypomobil, 4) normal, 5) gering hypermobil, 6) moderat hypermobil, 7) stark hypermobil. Wie soll ein Therapeut die Beweglichkeit von wenigen Millimetern in einem Gelenk oder gar an der Wirbelsäule in eine dieser sieben Stufen klassifizieren? Und selbst wenn das möglich wäre – was sagt uns das? Wie kann der Therapeut dann unterscheiden, ob das Problem artikulär oder muskulär bedingt ist? Oder vielleicht sogar eine ganz andere Ursache hat?