Ja, laut Forschern aus Brasilien. Sie führten eine Studie mit 24 Kindern im Alter von sieben bis 14 Jahren durch. Einschlusskriterien für die Teilnahme waren neben der Diagnose hemiplegische Zerebralparese eine normale Intelligenz, ein funktionierendes Arbeitsgedächtnis sowie die Fähigkeit, mit den Therapeuten zusammenzuarbeiten und die Motor-imagery-Aufgaben (MI) durchzuführen. Ausgeschlossen wurden Kinder mit Nebenerkrankungen, wie progressiver Epilepsie oder Hydrozephalus, genetischen Syndromen, Operationen oder Botox-Injektionen in den letzten sechs Monaten. Die Kinder wurden entsprechend ihrem Wohnort und der Nähe zu den teilnehmenden Institutionen auf zwei Gruppen verteilt. Die Interventionsgruppe (n=12, mittleres Alter=10,25 Jahre) absolvierte Motor-imagery-Übungen zusätzlich zur konventionellen Physiotherapie. Die Kontrollgruppe (n=12, mittleres Alter=11 Jahre) erhielt die Standardbehandlung. Die MI-Intervention fand zweimal pro Woche für acht Wochen statt. Jede Einheit betrug durchschnittlich 50 Minuten. Das Übungsprotokoll bestand aus folgenden Aktivitäten des täglichen Lebens mit denen die Kinder Schwierigkeiten hatten: einen Stift spitzen und damit schreiben, eine Schere benutzen, eine Tasse oder einen Löffel halten und zum Mund führen, Zähne putzen, einen Ball werfen, eine Keksdose öffnen, Schnürsenkel binden, eine Bluse oder Hemd anziehen und zuknöpfen, den Reißverschluss einer Hose schließen, Haare kämmen, eine Tür öffnen, einen Schlüssel benutzen und die Seiten eines Buches umblättern. Jede dieser Aktivitäten wurde in einem Video von einem 12-jährigen Mädchen demonstriert. Zuerst sollten sich die Studienteilnehmer auf die Bewegungstechnik des Modells im Video konzentrieren, dann sollten sie die Übung selbst durchführen, zuerst nur mental und dann auch praktisch. Die Kombination aus MI und der Übung kam zum Einsatz, um synergistische Resultate zu erzielen. 

Die konventionelle Therapie fand je nach Bedarf ein- bis zweimal pro Woche statt. Die Einheiten waren durchschnittlich 50 Minuten lang und beinhalteten Muskeldehnungen, -kräftigung und Übungen unter anderem zur Verbesserung der Griffkraft, Manipulation und Feinmotorik. Auch Übungen für die untere Extremität waren enthalten (Dehnung, Kräftigung, Balance- und Gangtraining).

Die primäre Zielgröße war die Funktionalität der oberen Extremität im Assisting Hand Assessment (AHA). Hierbei wird beurteilt, wie Patienten ihren beeinträchtigten Arm während Aktivitäten einsetzen, welche eine bimanuelle Koordination erfordern. Das AHA-Assessment wurde vor und nach der Intervention und bei einem Follow-up-Termin acht Wochen später durchgeführt. Limitierung der Studie sind die fehlende Randomisierung und die kleine Stichprobengröße.

Beide Gruppen zeigten nach der Intervention verbesserte motorische Fähigkeiten. Es zeigten sich signifikante Verbesserungen des AHA-Scores der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Quelle: Souto DO, et al. 2020. Effect of motor imagery combined with physical practice on upper limb rehabilitation in children with hemiplegic cerebral palsy. NeuroRehabilitation 46, 1: 53-63

Link zum Abstract:pt.rpv.media/ncbi32039870