Therapie
pt Januar 2022

Herzratenvariabilität und Biofeedback in der Praxis

Grundlagen und Implikationen für die Physiotherapie

Die Psyche hat einen maßgeblichen Einfluss auf den Körper, das ist aus dem Wissenschaftszweig der Psychosomatik bereits gut bekannt. Im Alltagsleben macht sich diese Beziehung häufig bemerkbar. Sie zeigt sich etwa, wenn vor einer wichtigen Prüfung der Verdauungstrakt rebelliert. Oder wenn unser Herz klopft, wenn wir unserer neuen Liebe begegnen. Auch unsere Sprache bestätigt diesen Zusammenhang. Wir spüren "Wut im Bauch", "Angst im Nacken" et cetera.

Ein Beitrag von Reiner Krutti
Lesezeit: ca. 10 Minuten
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Psychische oder emotionale Probleme können organische Krankheiten verursachen oder verstärken, und sie können auch Schmerzen hervorrufen, intensivieren oder verlängern. Also Symptome erzeugen, die in der physiotherapeutischen Praxis häufig sind.

Klinische Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass hinter 50 bis 75 Prozent aller Arztbesuche vor allem negativer Stress steht (1). Und viele dieser Patienten finden sich anschließend mit der Hoffnung auf Besserung in der physiotherapeutischen Praxis wieder. Erfahrene Therapeuten bemerken meist, wenn hinter Schmerzen oder Verspannungen ein emotionales Problem steckt, und sie wissen, dass klassische Physiotherapie alleine dann wahrscheinlich keine langfristige Linderung bewirkt. Der Einfluss der Psyche ist nicht wirklich greifbar, da die Möglichkeiten zur für Betroffene nachvollziehbaren und objektiven Evaluation begrenzt sind. Eine Option ist die Messung der Herzratenvariabilität (HRV). Darüber hinaus lässt sich mittels HRV chronischer Stress und dessen schädlicher Einfluss auf unsere Gesundheit positiv beeinflussen.

Wie Psyche und Körper kommunizieren

Im Inneren des Enzephalons befindet sich ein emotionales Gehirn (limbisches System), das unabhängig vom Großhirn funktioniert und psychisches Wohlbefinden sowie einen Großteil der Körperphysiologie kontrolliert (1). Als „Erfüllungsgehilfe“ dient hierbei das autonome (vegetative) Nervensystem (ANS), das aus den zwei Ästen Sympathikus und Parasympathikus besteht, die ausgehend vom emotionalen Gehirn alle Körperorgane beeinflussen. Der Sympathikus steuert Kampf- und Fluchtreaktionen, weshalb seine Aktivität zum Beispiel den Herzschlag beschleunigt. Der Parasympathikus stellt die vom Sympathikus verbrauchte Energie zur Verfügung, indem er für Entspannung und Erholung sorgt und dabei den Herzschlag verlangsamt. Bei Säugetieren sind diese beiden Systeme – die sich mit „Bremse und Gaspedal“ vergleichen lassen – ständig im Gleichgewicht. Um die unvorhersehbare „Kurve des Lebens“ zu bewältigen, braucht man eine Bremse (Parasympathikus) und ein Gaspedal (Sympathikus). Und beide müssen in kraftvollem Zustand und gleich leistungsfähig sein, um sich gegenseitig auszugleichen (1).

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Erschienen am 11. Januar 2022