Menschen können sich irren und Fehler machen. Gerade die Coronakrise zeigt, wie schnell aktuelles Wissen und Strategien überholt sind. Das ist manchmal schwer auszuhalten. Aber so ist das Leben. Auf einem kleinen Planeten, irgendwo in den endlosen Weiten des Kosmos, setzen wir uns mit Themen auseinander, die wir uns nicht zwangsläufig selbst ausgesucht haben, beispielsweise die Wirkungen eines Virus. Das schließt die Auseinandersetzung mit der eigenen Ohnmacht und den eigenen Ängsten mit ein. Manchmal sind wir machtlos. Oder es kommt uns so vor. Aber wir haben immer die Freiheit, zu handeln.

Irgendwann werden wir im Rückblick unser heutiges Handeln dahingehend prüfen müssen, ob es klug war. Waren wir besonnen genug? Haben wir Verstand und Vernunft walten lassen? Haben wir die Interessen und den Schutz aller Beteiligten berücksichtigt?

Zur Zeit erschrecke ich mich zunehmend über Haltungen von Menschen, von denen ich bisher dachte, ich würde sie kennen. Freunde outen sich als Impfgegner und gehen auf Demonstrationen gegen Hygienemaßnahmen. Einfache Lösungen haben Hochkonjunktur. Eine Gesichtsmaske wird für sie zum Symbol der Unterdrückung der Meinungsfreiheit. Danach sind es in ihrer Argumentationskette noch zwei, drei Schritte bis zur Weltverschwörung.

Leute, geht’s noch?

Es ist ein Virus! Wir leben in Deutschland! Mitten in Europa. In einer lebendigen Demokratie. Bei allen möglichen berechtigen Verbesserungsvorschlägen für unser Gesellschaftssystem, niemand wird bei uns eingesperrt, weil er den Präsidenten kritisiert. Aber wir sollten uns dringend mit der Frage beschäftigen, was unsere Werte sind. Sind Rudelbesäufnisse ohne Mund-Nasen-Schutz unsere Vorstellung von Freiheit? Dann könnten wir ein Problem haben.

Es ist nur ein kleines Stück Stoff. Nicht kleidsam, es nervt, es macht keinen Spaß. Aber es ist ein kleines Übel, das uns gegebenenfalls – ich drücke es jetzt mal etwa drastischer aus – den Arsch retten kann.

Und weil der Schutz so wichtig ist, denkt alle auch an den geistigen Mund-Nasen-Schutz. Jeder hat in unserem Land das Recht auf eine eigene Meinung. Aber man muss nicht jede Meinung haben.

Nichts ist schwerer, als auf sich selbst zurückgeworfen zu sein. An jedem Einzelnen von uns liegt es, wie wir mit der Situation zurechtkommen werden. Projizieren wir unsere Ängste nicht länger auf andere. Also: Masken hoch, Zähne zusammen!

Irgendwann, vielleicht schon im nächsten Jahr, wird es eine Post-Corona-Zeit geben und wir werden entspannt, ohne Mindestabstand, zusammensitzen, Meinungen diskutieren und uns an den Vorteilen einer stabilen Demokratie erfreuen. Wir leben in einer Welt, in der komplexe Systeme miteinander interagieren. Jedes System hat eine direkte Wirkung auf die jeweils anderen Systeme. Der Zustand des Gleichgewichts ist labil und muss immer wieder errungen werden. Gehen wir also sorgsam miteinander um, damit wir gesund und handlungsfähig bleiben!

Hinweis

Auf dieser Seite erscheint normalerweise die Glosse „… und wieder locker lassen!“