Die optimale Rehabilitationsmaßnahme bei COPD gibt es nicht. Ein neuer Ansatz ist das High-Intensity-Training. Obwohl diese Form der Belastung auf den ersten Blick nicht mit einer Erkrankung der Atemwege zusammenpasst, hat sich die Therapie als wirksam erwiesen. Die Autoren dieses Beitrags haben ihre Studienergebnisse praxisnah für die Therapie von COPD-Patienten aufgearbeitet.

Die Lebensqualität steht im Fokus

In Deutschland leiden nach Schätzung der Deutschen Atemwegsliga drei bis fünf Millionen Menschen an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) konstatiert, dass sich die COPD bis 2020 zur dritthäufigsten Todesursache entwickeln wird. Entsprechend drängt die Forschung nach Lösungen und Möglichkeiten, um dem ungünstigen Krankheitsverlauf der COPD entgegenzuwirken. Die Behandlungskonzepte reichen von der klassischen ambulanten Rehabilitation mit Ausdauer- und Gerätetraining über Atemmuskelübungen bis hin zum Ganzkörpervibrationstraining (1). Die Effekte dieser Therapieansätze sind mannigfaltig und zeigen sich zum einen in der Linderung akuter Beschwerden und zum anderen in der Steigerung der Leistungsfähigkeit sowie der Lebensqualität (2), bis hin zur Reduktion der Exazerbationsraten (3). Doch auch für Asthma und Lungenfibrose bestätigen die Studien positive Effekte durch eine Lungensporttherapie. Das primäre Ziel einer Trainingstherapie besteht in der Beseitigung oder Verbesserung der krankheitsbedingten Fähigkeitsstörungen. Betroffene sollen aktiv am normalen Leben in der Familie, der Gesellschaft und insbesondere im Beruf teilnehmen können. Im Vergleich zur Akutmedizin liegt das Bestreben einer pneumologischen Rehabilitation in der Kompensation körperlicher, psychischer und sozialer Krankheitsfolgen (bio-psycho-sozialer Ansatz). Wichtig ist die spezifische Behandlung jedes einzelnen Patienten. Da die chronische Erkrankung der Atmungsorgane mit daraus resultierenden individuellen Funktionseinschränkungen oder Behinderungen einhergeht, sollte die bestmögliche Lungenfunktion und Lebensqualität angestrebt werden. Verschiedene Trainingsprogramme haben nachweislich positive Effekte auf das körperliche und geistige Wohlbefinden (4), die Muskelzusammensetzung (5) und die Lebensqualität (6) von COPD-Patienten. Zudem ist eine Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit mit einem Rückgang von Entzündungsmarkern wie IL-8 und einer Zunahme von Aktivitätsparametern der Muskulatur wie PGC1-α und Irisin (7–9) belegt. In diesem Zusammenhang wurden bereits verschiedene Empfehlungen für die Belastungsintensitäten ausgesprochen (10, 11), um die Trainingseffekte bei Patienten mit COPD effektiver zu gestalten. Unklar bleibt jedoch bisher, welche Methoden und vor allem welche Intensitäten am wirksamsten sind. Laut Empfehlungen aktueller Richtlinien hat moderates Kraft- und Ausdauertraining, das zwei- bis dreimal wöchentlich durchgeführt wird, den größten Effekt (10).