Ein Patient kommt mit der Verordnung zur Manuellen Therapie aufgrund eines HWS-Syndroms mit radikulärer Symptomatik zur Physiotherapie. Er klagt über Nackenschmerzen und -steifheit sowie teilweise taube Finger. Der Therapeut untersucht ihn ausführlich und führt vorsichtshalber auch ein Myelopathie-Screening durch. Dieses ist auffällig, deswegen schickt er den Patienten zur Abklärung einer Myelopathie zurück zum Arzt.

Hintergrund

Eine zervikale Myelopathie wird durch eine mechanische und dynamische Kompression des Rückenmarks verursacht. Diese Kompression kann viele Ursachen haben, zum Beispiel eine Hyperthropie des Lig. flavum oder eine Ossifikation des Lig. longitudinale posterior (1–3). Meistens handelt es sich um eine spondylotische Myelopathie bei Patienten über dem 55. Lebensjahr. Mehr als 50 Prozent dieser Altersgruppe haben zervikale Veränderungen, davon jedoch nur zehn Prozent eine Myelopathie oder Radikulopathie (4–6). Patienten mit dieser Problematik zeigen Symptome wie Taubheit und Kraftverlust in den Extremitäten, Schmerzen und Steifheit des Nackens, Gangstörungen und urogenitale Probleme (1–3, 7). Taubheit und Schmerzen in einem Arm können andererseits auch viele weitere Ursachen haben, etwa ein neurogenes Entrapment, also die Kompression eines Nervs in seinem Verlauf. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Thoracic-Outlet-Syndrom. Für Physiotherapeuten sind die Symptome des Patienten daher oft schwierig einzuordnen. Die Mittel eines Therapeuten sind in diesem Fall sehr begrenzt, eine akkurate Diagnose ist nur durch eine ärztliche Untersuchung möglich. Dennoch ist es wichtig, Patienten mit Symptomen einer Myelopathie frühzeitig zu erkennen und zum Arzt zurückzuschicken – auch unter dem Gesichtspunkt, dass Symptome beim Erstkontakt mit dem Arzt oder Therapeuten zum Beispiel denen einer Radikulopathie oder eines Entrapments gleichen können und sich erst später mit weiteren Symptomen als Myelopathie bemerkbar machen.