Pia hatte einen Autounfall. Der Blechschaden war gering, sie verspürte allerdings eine Anspannung im Nacken und später Kopfschmerzen. Die Halswirbelsäule fühlte sich instabil an, der Arzt fand keine Ursache dafür. Er verordnete ihr Physiotherapie; zum Glück erhielt sie zeitnah einen Termin. In der Untersuchung verwendete die Therapeutin unter anderem den Relocation-Test. Pia war überrascht, wie schlecht ihr Stellungssinn war, und übte daraufhin fleißig.

Gestörte posturale Kontrolle

Bei Patienten mit Schmerzen in der zervikalen Wirbelsäule, aber auch nach einem Trauma – wie etwa einem Schleudertrauma (Whiplash Injury) – kann es zu Beeinträchtigungen der posturalen Kontrolle kommen. Dies äußert sich in gestörter Propriozeption (1, 2), Balancestörungen (3, 4), Augenbewegungsstörungen (5, 6) und veränderten Aktivitäten der zervikalen Muskulatur (7). Ein Teil der posturalen Kontrolle betrifft die Fähigkeit, eine definierte Gelenkstellung des Kopfes im dreidimensionalen Raum ohne Hilfe der Augen nach einer aktiven Bewegung der zervikalen Wirbelsäule einzunehmen. Dies erfordert von mehreren Systemen des Körpers eine gute Zusammenarbeit (8). Dabei spielt das vestibuläre System zusammen mit der Propriozeption der beteiligten Gelenkkomplexe eine wichtige Rolle. Durch einen vermehrten afferenten Input der zervikalen Wirbelsäule, ausgehend von gestörter Rezeptorenaktivität der Muskulatur und veränderten Reflexaktivitäten zwischen der zervikalen Wirbelsäule und dem vestibulären und visuellen System, kann der zervikale Gelenkpositionssinn (Joint Position Sense – JPS) gestört sein (9). Vor allem die tiefe dorsale subokzipitale Nackenmuskulatur enthält enorm viele Muskelspindelrezeptoren (10), die eine wichtige Rolle bei der Propriozeption des Nackens und somit beim Ausführen des JPS spielen.