Harninkontinenz ist ein weitverbreitetes Krankheitsbild und keine Frage des Älterwerdens. Physiotherapeuten können Betroffenen helfen – dazu benötigen sie ein tiefgreifendes Verständnis für die Ursachen. Neben den anatomisch-funktionellen Grundlagen sind auch das empathische Einfühlen in die Patientensituation und Kenntnisse über konservative Behandlungsmöglichkeiten Voraussetzung. Die Autoren gehen auf alle Aspekte ein und geben so Einblick in den immer noch relativ unbekannten Themenkomplex.

Soziale Problemstellung

Kontinenz bedeutet, Zeitpunkt und Ort des Wasserlassens (Miktion) selbst zu bestimmen, einschließlich der Fähigkeit, die Miktion etwas hinauszuzögern. Die International Continence Society (ICS) definiert Harninkontinenz als „Zustand mit jeglichem unwillkürlichen Urinverlust, der ein soziales oder hygienisches Problem darstellt“. Inkontinenz kann in unterschiedlichen Formen auftreten und stellt an sich eher ein Symptom mit verschiedenen Ursachen dar. Sie ist in ihrem vollen Krankheitswert entwickelt, wenn soziale und hygienische Probleme entstehen.