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Dieser Frage ging ein internationales Forscherteam nach. Sie befragten 212 spezialisierte Physiotherapeuten in 26 Ländern und insgesamt 115 europäischen Therapieeinrichtungen, wie sie Patienten mit Multipler Sklerose (MS) therapieren. Insgesamt wurden 45 Behandlungsansätze für die MS-Therapie genannt. Drei Viertel der Therapiezentren verwendeten 13 der am häufigsten aufgeführten Interventionen, wie Gang-, Gleichgewichts-, Dehn-, Kräftigungs-, Atem-, Entspannungs-, aerobe und aufgabenorientierte Übungen und Transfers. Sie nannten zusätzlich die Anregung zur Eigenbehandlung, orthopädische Einlagen und die Therapie von Fatigue, Schmerz und Einschränkungen. Neun Maßnahmen wurden nur von einem Viertel der Einrichtungen eingesetzt, dazu gehörten unter anderem Brügger, Hippotherapie, Voijta, Feldenkrais und robotergestützte Therapie. Zwölf Maßnahmen wurden in bestimmten Regionen verwendet, beispielsweise Voijta in Osteuropa, während in westeuropäischen Ländern gezielt Fatigue behandelt wurde, in ost- und südeuropäischen Regionen weniger. Die durchgeführte Clusteranalyse brachte folgende Ergebnisse: Die Anwendung von speziellen Maßnahmen war abhängig von der Region, der Größe der Einrichtung sowie Anzahl, Geschlecht und Berufserfahrung der Therapeuten. Letztendlich konnten die Interventionen in vier Gruppen kategorisiert werden: Training körperlicher Aktivität, neuropropriozeptive Therapie, motorisches Lernen und technologiebasierte Therapie. Gerade die größeren Einrichtungen mit einer höheren Anzahl an erfahrenen Therapeuten wiesen mehr Therapieangebote auf. Promovierte Physiotherapeuten und nordeuropäische Einrichtungen beschränkten sich auf wenige Maßnahmen, während vor allem Praktiker in osteuropäischen Ländern eine Vielzahl an Therapieinterventionen verwendeten. Den Autoren zufolge spiegelt sich in der häufigen Nennung bestimmter Maßnahmen die Studienlage wider: Zu den 13 meistgenannten Therapien gibt es verschiedenste wissenschaftliche Nachweise, wohingegen diese bei den selten genannten nicht immer vorhanden sind. Natürlich spielt auch die technische Ausstattung eine Rolle, denn robotergestützte Therapiesysteme sind trotz guter Evidenz nicht überall finanzierbar. Die regionalen Unterschiede verdeutlichen zudem die evidenzbasierte Therapie und Verbreitung spezieller therapeutischer Konzepte.