Für viele, aber nicht für alle – so lautet das Ergebnis einer Studie aus den USA. Forscher aus Philadelphia führten eine retrospektive Auswertung von insgesamt 296 Patienten mit Knie-Totalendoprothese (TEP) durch, die nach dem Eingriff an einem webbasierten Trainingsprogramm teilgenommen hatten. Der Eingriff mit medial parapatellarem Zugang wurde dabei immer vom gleichen Operateur durchgeführt. Das postoperative Protokoll war ebenfalls standardisiert. Entlassen wurden nur stabile Patienten mit adäquater, vom Physiotherapeuten geprüfter Funktion. Dazu gehörten die Fähigkeit, rund 30 Meter gehen zu können, Treppen zu steigen und der Transfer ins Auto. Zunächst nahmen alle Patienten, die nicht im Anschluss anderweitig weiterbehandelt wurden, an einem webbasierten Programm teil. Die Patienten erhielten per E-Mail ihre Übungen für die Woche mit Bild, Beschreibung und Videoanleitung. Zusätzlich bekamen die Teilnehmer eine Broschüre und ein Tutorial. Die Forscher dokumentierten zudem zahlreiche Parameter, unter anderem Komorbiditäten (Charlson Komorbiditätsindex), Lebensqualität (SF-12, mentale und physische Gesundheit) und Funktion (Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score – KOOS).

Zwei und vier Wochen nach der Operation stellten sich die Patienten wieder in der Klinik vor. Eine Verordnung für ambulante Physiotherapie bekamen Patienten auf Wunsch oder wenn die Knieflexion weniger als 90 Grad betrug. Patienten, die nicht in der Lage waren, an einem webbasierten Programm teilzunehmen, erhielten ebenfalls die ambulante Versorgung. Ein weiterer Check fand nach sechs bis acht Wochen statt. Patienten, die zu diesem Zeitpunkt immer noch eine Flexion von weniger als 90 Grad aufwiesen, erhielten eine Narkosemobilisation.

195 Patienten (66 Prozent) benötigten keine ambulante Physiotherapie. Die restlichen 101 Patienten (34 Prozent) erhielten eine Verordnung – 66 Prozent davon aufgrund einer unzureichenden Knieflexion, 28 Prozent auf Wunsch und ein Prozent wegen fehlender Fähigkeiten, an dem Webprogramm teilzunehmen. Fünf Prozent bekamen eine Verordnung, nahmen diese aber nicht wahr. In der Gruppe der Patienten mit webbasiertem Programm war bei keinem Patienten eine Narkosemobilisation nötig, in der anderen Gruppe waren es rund sieben Prozent. Nach sechs Monaten wies die Kohorte mit Webtraining eine signifikant größere Funktionsverbesserung im KOOS auf als die Gruppe mit ambulanter Therapie.

Folgende Faktoren waren unabhängige Vorhersageparameter für den Bedarf an ambulanter Physiotherapie:

  • hoher Komorbiditätsindex
  • erhöhter Body-Mass-Index
  • schlechte mentale Gesundheit
  • Flexionseinschränkung im Kniegelenk nach zwei Wochen

Die Autoren schlussfolgern, dass eine webbasierte Physiotherapie für die meisten Patienten sicher und effektiv ist. Da es präoperativ allerdings schwierig ist, Patienten mit Bedarf für weitere ambulante Therapie zu identifizieren, empfehlen die Autoren postoperativ eine engmaschige Kontrolle.

Quelle: Klement MR, et al. 2018. Web-based, self-directed physical therapy after total knee arthroplasty is safe and effective for most, but not all, patients. J. Arthroplasty. Dec 3. [Epub ahead of print]

Link zum Abstract:pt.rpv.media/ncbi30591206