Deutschlands Mediziner sind manchmal Weltmeister bei der Anordnung von Röntgenbildern und MRT-Untersuchungen. Doch oft sieht man auf diesen Bildern Befunde, die schon lange bestehen – es hat nur vorher keiner hingeschaut. Treten dann irgendwo Schmerzen auf, sind diese Befunde eine willkommene Erklärung für die aktuellen Beschwerden. Therapeuten sind keine Radiologen, aber es schadet nicht, sich mit der Interpretation dieser Untersuchungsergebnisse zu befassen und sozusagen über den Tellerrand hinauszuschauen.

MRT: Deutschland ist Spitzenreiter

Aus einer Statistik der radiologischen Untersuchungen im OECD-Ländervergleich von 2017 ist bekannt, dass Deutschland Spitzenreiter in radiologischer apparativer Diagnostik ist – vor allem bei der Durchführung von Magnetresonanztomografien (MRT). Diese Untersuchungen sind oft unnötig und werden beispielsweise aufgrund von Zeitmangel bei der klinischen Diagnostik in Erstuntersuchungseinrichtungen oder aus Unkenntnis im Hinblick auf aktuelle Leitlinienempfehlungen gemacht. Die Sensitivität ist zwar hoch, aber die Spezifität von MRT-Befunden ist gering. Daher werden oft lange vorher bestehende und altersgemäße strukturelle Veränderungen für aktuelle Einschränkungen beziehungsweise Schmerzen verantwortlich gemacht. Dies zu differenzieren, gehört auch zu den Aufgaben in der Physiotherapie. Für die Behandlung ist es entscheidend, ob ein Problem als „natürlich altersgemäß“ oder „aktuell akut“ eingestuft wird. Nur so kann man dem Patienten Sicherheit geben und dabei helfen, unnötige sowie risikoreiche Operationen zu vermeiden. Durch das folgende Fallbeispiel soll gezeigt werden, warum es für Physiotherapeuten wichtig sein kann, MRT-Befunde zu interpretieren beziehungsweise zu sichten.