Learning by doing – eigentlich ein altbekannter Ansatz. In vielen Lehrsituationen gerät dieser Leitsatz jedoch aus dem Blick. Die Anwendung von Clinical Reasoning lernen angehende Kollegen nicht, indem sie einen zweistündigen Vortrag dazu hören. Sie sollten den Stoff am besten über Fallbeispiele selbst erfahren dürfen.  

Verschiedene Denkebenen

Physiotherapeuten beziehen bei der therapeutischen Entscheidungsfindung verschiedene Denkebenen ein, die auch als Formen des Clinical Reasoning bezeichnet werden. Dazu zählen nach Feiler (1) das scientific, das ethische, das konditionale, das pragmatische, das narrative und das interaktive Reasoning.

Clinical Reasoning ist immer an den Einzelfall und damit an komplexe therapeutische Situationen gekoppelt. Das Denken auf unterschiedlichen Ebenen ermöglicht es dem Therapeuten, die Komplexität der therapeutischen Situation zu erfassen (2). Lehrende der Physiotherapie haben die Aufgabe, ClinicalReasoning-Denkstrategien der angehenden Physiotherapeuten anzubahnen. Werden die einzelnen Formen des ClinicalReasoning lediglich theoretisch vermittelt, jedoch nicht bewusst eingeübt und reflektiert, dann ist die Gefahr gegeben, dass sie von den Lernenden als abstrakt und wenig anwendungsbezogen erlebt werden, was wiederum zur Ausbildung trägen Wissens (Wissen, das nicht zur Anwendung kommt) (3) führen kann.