Physiotherapeuten sind in der Praxis mit komplexen Situationen konfrontiert. Wirtschaftliche, demografische und gesundheitspolitische Rahmenbedingungen erfordern neue Denkansätze. Zusätzlich benötigen multimorbide Erkrankungen individuell ausgestaltete Behandlungsansätze und eine Förderung der Selbstwirksamkeitserwartung.

Aktuelle Situation

In der Realität kontaktieren Klienten zuerst einen Arzt, der abhängig von Diagnose und Indikation Physiotherapie verordnen kann. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Erkrankungen im Feld der sekundären oder tertiären Prävention (Tab. 1) bereits manifestiert (1). In Heilmittelpraxen steht häufig die Linderung von Krankheitssymptomen durch passive Hands-on-Behandlungen im Vordergrund; die Vermittlung gesundheitsfördernder Verhaltensweisen nach Teilhabezielen kommt zu kurz. Bei der Therapie von Menschen mit chronischen Erkrankungen in unterschiedlichen Lebenslagen sollte die Beratung zum Bewegungs- und Gesundheitsverhalten einen wesentlichen Kern der Physiotherapie bilden. Forschungsergebnisse zeigen, dass für die Betroffenen eine Stärkung der Gesundheitskompetenz dringend notwendig ist (2).