Hatten Sie schon einmal lumbale Rückenschmerzen? Ja – was geschah dann? Vielleicht gingen Sie einfach weiter Ihrer Arbeit nach, legten sich auf ein Wärmekissen und hofften auf Besserung; nach spätestens sechs Wochen waren Sie funktionsfähig und schmerzfrei. Wunderbar, dann haben Sie sich im Sinne der Leitlinien therapiert. Leider klappt dies nicht in jedem Fall – und die medizinische Versorgung erfolgt nicht immer evidenzbasiert, wie Experten seit Langem bemängeln.

Hintergrund

Ende März 2018 veröffentlichte die renommierte medizinische Fachzeitschrift „The Lancet“ eine Themenreihe zum lumbalen Rückenschmerz. Der Anlass dafür ist die globale Zunahme von Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) in allen Altersgruppen. Die Behandlung variiert weltweit, von Bettruhe über die Verschreibung von Opioiden bis hin zu Operationen (1). Die Themenreihe umfasst drei Publikationen, die unter Federführung der australischen Forscherin Rachelle Buchbinder von mehreren internationalen Experten verfasst wurden. Ihr Ziel ist die Bekanntmachung der evidenzbasierten Therapie von LWS-Schmerzen und die Beseitigung von unnötigen oder gar gefährlichen Therapiemaßnahmen. Hartvigsen et al. (2) richten den Blick auf das komplexe Krankheitsbild und dessen beeinflussende Faktoren. Evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen und die Prävention werden von Forster et al. zusammengefasst (3). Abschließend fordern Buchbinder et al. (4) die multifaktorielle Betrachtung des unteren Rückenschmerzes und zeigen umfassende Lösungsansätze auf. In diesem Beitrag werden die wichtigsten Inhalte aus der Themenreihe im Lancet vorgestellt und mit spezifischen Daten aus Deutschland ergänzt.