Diese Frage stellten sich brasilianische Wissenschaftler und randomisierten 106 Brustkrebs-Patientinnen nach radikaler Mastektomie entweder in eine Lymphdrainage- oder eine Übungsgruppe. Die Probandinnen der beiden Gruppen ähnelten sich in Alter, Krebsstadium und Body-Mass-Index. Die Maßnahmen begannen 48 Stunden postoperativ und fanden 30 Tage lang zweimal pro Woche für jeweils 40 Minuten statt. Klinische Zielgrößen waren Schulterbeweglichkeit, Wundheilung und Entwicklung eines Lymphödems. Die Wunde wurde nach zwei Monaten erneut evaluiert, die Beweglichkeit des Schultergelenkes (Range of Motion – ROM), Umfangsmessung der oberen Extremität und Lymphszintigrafie präoperativ, nach zwei und 30 Monaten. Die Gruppen unterschieden sich weder hinsichtlich der Wundheilung noch in der ROM in Flexion und Abduktion. Die Inzidenz für ein Lymphödem betrug 23,8 Prozent, unabhängig von der Gruppenzugehörigkeit. In der prä- und postoperativen Lymphszintigrafie bestand ein Zusammenhang zwischen einer verringerten axillären Kontrastmittelaufnahme und der Entstehung eines Lymphödems im Follow-up nach zwei Jahren. Patientinnen unter 39 Jahren und mit einem BMI über 24 hatten ein höheres Risiko für ein Lymphödem. Frauen über 39 Jahren, die mit Manueller Lymphdrainage behandelt worden waren, entwickelten ebenfalls mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Lymphödem. Die Autoren schlussfolgern, dass lymphatische Anomalien die Entwicklung eines Ödems begünstigen und bei jüngeren Frauen Übergewicht ein beitragender Faktor ist. Ältere Frauen sollten eher aktive Maßnahmen (Muskelkräftigung) erhalten als MLD.