Der Therapeut ist oftmals ein wichtiger Ansprechpartner für die Patienten – und zwar nicht nur hinsichtlich der körperlichen Beschwerden: Sie erläutern ihre Problematik, schildern dabei ihre Perspektive und geben auch Einblicke in ihre derzeitige Lebenssituation. Wer genau hinhört und die Prinzipien einer klientenzentrierten Beratung beherrscht, lernt seine Patienten besser kennen und kann ihnen helfen, sich selbst zu Verhaltensänderungen zu motivieren.

Ein Beitrag von Thomas Messner

Ein typischer Fall?

Herr S. arbeitet als leitender Angestellter bei einem großen Automobilzulieferer. Er fährt morgens zur Arbeit und quält sich dabei etwa 40 Minuten durch den Verkehr. Dort angekommen, verbringt er die überwiegende Zeit sitzend und tritt nach acht bis zehn Stunden den Rückweg an. Früher war er sportlich aktiv, was sich aufgrund der Arbeits- und Familiensituation geändert hat. Seine tägliche Arbeit ist mit viel Druck „von oben“ verbunden; gleichzeitig sieht er sich für sein Team und die Arbeitsplätze seiner Einheit verantwortlich. Privat lebt er mit seinen drei Kindern und seiner Frau in einem Haus im Grünen, welches er vor vier Jahren gekauft hat. Aufgrund der hohen Kreditbelastung ist das Geld trotz des relativ hohen Verdienstes knapp. Große Sprünge kann sich die Familie nicht leisten. Die Beziehung zu seinen Kindern ist aufgrund seiner hohen Abwesenheit schwierig. Die Paarzeit mit seiner Frau ist rar. Er ist abends oft ausgelaugt und gereizt, was sich auf die familiäre Situation niederschlägt. Herr S. kommt seit fünf Jahren regelmäßig mit Rückenschmerzen zu seinem Physiotherapeuten. Eine spezifische Ursache für die Schmerzen konnte bislang nicht festgestellt werden. Er kommt etwa dreimal pro Jahr mit einem Rezept. Die Problematik von Herrn S. zeigt einen chronischen Verlauf mit multifaktoriellen Ursachen.