„Haben Sie denn die Übungen zu Hause gemacht?“, fragt der Therapeut. „Ja, eigentlich schon, das war ganz gut“, antwortet der Patient. Eine Antwort, die viel Interpretationsspielraum bietet und mit der man im Therapiegespräch nur bedingt etwas anfangen kann. Vielleicht ist die Antwort auch nicht ganz „ehrlich“. Sie ist jedoch die Reaktion auf eine vorab gestellte Frage – mit einer anderen Fragetechnik wäre es möglich, differenziertere Informationen zu erhalten und gleichzeitig Augenhöhe und Interesse zu vermitteln.

Ein Beitrag von Thomas Messner

Partnerschaftlicher Umgang

Im ersten Teil dieser Artikelserie wurde die Grundlage der Gesprächstechnik beleuchtet und deren Bedeutung am Beispiel des Patienten Herrn S. veranschaulicht (Abb. 1). Eines ist sicher: Es ist nicht egal, wie Physiotherapeuten mit ihren Patienten kommunizieren. Insbesondere bei Erkrankungsformen, die eine Lebensstil- oder Verhaltensänderung notwendig machen, ist die Kommunikation und diesbezüglich eine theoriebasierte Intervention ein entscheidender Faktor. In Anlehnung an Miller und Rollnick (1, 2) kann die motivierende Gesprächsführung als ein „kooperativer Gesprächsstil, mit dem wir einen Menschen in seiner Motivation zur und seinem Engagement für eine Veränderung stärken können“, definiert werden. Die Begründer des Ansatzes verweisen auf eine elementare Haltung, die sich an den Grundannahmen der humanistischen Psychologie orientiert und zentraler Bestandteil des Konzeptes und der zugrunde liegenden Techniken ist (3). Vor diesem Hintergrund wählt der Therapeut einen partnerschaftlichen Umgang und strebt ein Gespräch unter Experten auf Augenhöhe an. Er versucht, vorhandene intrinsische Motivation hervorzulocken, und pflegt einen von Akzeptanz geprägten, Autonomie wahrenden, Anteil nehmenden Umgang mit dem Gegenüber. Die Autoren sprechen dabei von einem geleitenden Stil der Gesprächsführung, der sich vor allem dann anbietet, wenn es darum geht, Menschen bei einer Veränderung zu unterstützen und sie auf diesem Weg zu begleiten. Dieser Stil ist gekennzeichnet durch eine spezifische Gewichtung der Kommunikationsfertigkeiten Fragen, Informieren und Zuhören. Er grenzt sich insbesondere vom leitenden Stil ab, bei dem der Therapeut als Experte auftritt und die Wege zur Problemlösung vorgibt. Der entsprechend geschulte Therapeut stellt jedoch vornehmlich offene Fragen, hört viel und aktiv zu und informiert mit Bedacht und mit Wahlfreiheit. Im Rahmen dieses Beitrags wird nun die Fertigkeit des Fragens unter die Lupe genommen. Hier ist vor allem der Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Fragen interessant und von Belang.