Hören ist nicht gleich zuhören: Wer im Verlauf eines Gesprächs urteilt, kritisiert oder interpretiert, verwendet sogenannte Kommunikationssperren und bringt den Patienten dadurch von seinem Gedankengang ab oder hindert ihn in seiner weiteren Exploration und Reflexion. Durch aktives Zuhören und echtes Interesse an der Situation des Patienten kann der Therapeut diesem dabei helfen, zum Fürsprecher seiner Veränderung zu werden.

Ein Beitrag von Thomas Messner

Es gibt keine unmotivierten Patienten

Motivierende Gesprächsführung ist ein Kommunikationsansatz, der sich insbesondere dann bewährt hat, wenn es darum geht, Menschen in einem Veränderungsprozess zu unterstützen. Viele Erkrankungen und Beschwerdebilder in der Physiotherapie sind durch den isolierten Einsatz von therapeutischen Techniken nicht in den Griff zu bekommen, sondern setzen eine Veränderung von Verhaltensweisen voraus. Ohne diese ist eine Besserung oftmals nicht möglich. Motivierende Gesprächsführung ermöglicht es dem Therapeuten, gemeinsam mit dem Patienten Veränderungsprozesse zu initiieren. Dabei basiert der Ansatz auf der Annahme, dass Motivation und Gründe für eine Veränderung bereits vorhanden sind und im Gespräch offenbar werden können. Sie sind oftmals versteckt, dem Patienten möglicherweise selbst nicht bewusst oder überlagert von den Gründen, die gegen eine Veränderung sprechen. Aus dieser Perspektive gibt es keine unmotivierten Patienten – es ist vielmehr von einem ambivalenten Patienten auszugehen, der neben den Gründen gegen eine Veränderung eben auch Gründe für eine Veränderung in sich trägt. Diese Ambivalenz wird im Gespräch thematisiert und bestenfalls aufgelöst. Der Patient erhält die Gelegenheit, sich wertfrei mit seiner Haltung auseinanderzusetzen, und erforscht mit dem Therapeuten seine Gedanken und Emotionen. Die Motivierende Gesprächsführung wurde vor über 30 Jahren von den Psychologen William Miller und Steven Rollnick konzipiert und seitdem stetig weiterentwickelt (1). Sie weisen darauf hin, dass die Haltung des Therapeuten entscheidend ist: Es geht darum, partnerschaftlich und auf Augenhöhe mit dem Patienten umzugehen, die Autonomie zu respektieren und sein Gegenüber zu akzeptieren. Der Therapeut sucht gemeinsam mit dem Patienten nach der intrinsischen Änderungsmotivation, deckt diese auf und kommuniziert anteilnehmend und empathisch.