„Sie müssen sich mehr bewegen. Machen Sie doch mittags im Büro eine aktive Pause und gehen Sie einmal in der Woche ins Fitnessstudio oder zum Schwimmen.“ Das klingt wie ein gut gemeinter Rat, doch für manche Patienten kann dieser Vorschlag völlig unpassend sein. Die Folge: Sie fühlen sich unverstanden und der Therapeut ist frustriert, weil sein Patient scheinbar unmotiviert ist. Mit der richtigen Gesprächstechnik lassen sich solche Missverständnisse vermeiden.

Ein Beitrag von Thomas Messner

Kommunikation Illustration
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Reflexion anregen

„Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können.“ Diese Erkenntnis von US-Präsident Abraham Lincoln hat auch in der physiotherapeutischen Versorgung eine große Relevanz. Der Erfolg vieler Behandlungen hängt unter anderem davon ab, wie sich der Patient selbst verhält. Mit dem Konzept der Motivierenden Gesprächsführung steht dem Physiotherapeuten ein Kommunikationsansatz zur Verfügung, der ursprünglich in der Suchtarbeit entwickelt wurde, um Patienten in einem Veränderungsprozess zu begleiten. Das von William Miller und Stephen Rollnick in den 1980er-Jahren eklektisch zusammengestellte Konzept basiert auf einem Menschenbild, das an die humanistische Psychologie angelehnt ist (1). Die Autoren verweisen auf eine wesentliche Grundannahme: Patienten sind nicht unmotiviert, sondern tragen bereits Beweggründe für eine Veränderung in sich – und diese gilt es gemeinsam freizusetzen. Damit das im Gespräch gelingen kann, bedient sich der Therapeut spezifischer Fragetechniken, stellt vorzugsweise offene Fragen und hört aktiv zu. Dabei kommt dem Zuhören – auch quantitativ – eine besondere Bedeutung zu. Durch diese Techniken gelingt es, den Patienten zur Reflexion anzuregen, ihm Kontakt mit seinen eigenen Gedanken und Beweggründen zu ermöglichen und ihn idealerweise als Fürsprecher seiner Veränderung zu gewinnen. Nun wird es in der Therapie häufig notwendig sein, den Patienten über Sachverhalte zu informieren, die ihm unbekannt sind, und ihm eventuell auch einen Ratschlag zu geben.