Die weit verbreitete Familie der Statine steht seit Jahren unter dem Verdacht, für Muskelbeschwerden bis zur Rhabdomyolyse verantwortlich zu sein. So mancher Patient lässt sie sich deshalb gar nicht mehr verschreiben. Aber was ist dran an dem schlechten Ruf? Und wann macht es wirklich Sinn, die Medikation des Patienten ins Auge zu fassen?

Was sind Statine?

Statine sind Cholesterinsenker aus der Gruppe der 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym-A-Reduktase-Inhibitoren. Was schwerfällig klingt, heißt im Klartext nur, dass diese Substanzenfamilie ein wichtiges Enzym in der körpereigenen Synthese von Cholesterin hemmt und somit vor allem die Konzentration des „bösen“ LDL-Cholesterins im Plasma senkt. Diese HMG-CoA-Reduktasehemmer, die 1987 auf den Markt kamen (1), führten zu einem wichtigen Fortschritt bei der Bekämpfung der Hypercholesterinämie – ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Myokardinfarkt, Angina pectoris und Schlaganfall, die weltweit die häufigsten Todesursachen darstellen (2). Statine sind laut zahlreichen systematischen Übersichtsarbeiten effektiv zur Prävention von großen kardiovaskulären Ereignissen und zur Reduktion der Sterblichkeit in diesem Zusammenhang (3–5). Mittlerweile werden die Stoffe auch für weitere Erkrankungen immer interessanter – darunter einige Krebsformen –, da ihnen etliche Effekte zugeschrieben werden, die durch den verminderten Aufbau von Nebenprodukten der Cholesterinsynthese hervorgerufen werden. Statine führen somit unter anderem zur Reduktion von oxidativem Stress, Hemmung der Blutgerinnung, Reduzierung von proinflammatorischen Zytokinen, Plaque-Stabilisierung und sogar zur Verminderung des Frakturrisikos bei Osteoporose (6).