Welche Vorteile und Schwierigkeiten entstehen, wenn Patienten mit muskuloskelettalen Beschwerden statt des Allgemeinarztes zuerst einen Physiotherapeuten aufsuchen? In einer 2017 veröffentlichten Studie beschreiben Forscher aus Nottingham, welche Auswirkungen ein zwölfmonatiges Programm für den physiotherapeutischen Erstkontakt in zwei Praxen für Allgemeinmedizin auf die Wahrnehmung und Einschätzung der Mitarbeiter hatte.

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Hintergrund

In Deutschland herrscht oftmals Unsicherheit, wenn von Physiotherapeuten im Direktzugang gesprochen wird: Fragen zur Verantwortung, Expertise und interdisziplinären Zusammenarbeit werden laut. In Großbritannien ist es nicht anders – allerdings sieht sich der National Health Service (NHS) einer zunehmenden Herausforderung in Bezug auf seine Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit gegenüber, und dies bringt alternative Konzepte zur Erstkontaktversorgung zur Diskussion. Fiona Moffatt und ihre Kollegen untersuchten deshalb in einer qualitativen Auswertung (1) die Erfahrungen zweier Praxisteams, die ein Jahr lang ein neues Modell zur Erstaufnahme von Patienten mit muskuloskelettalen Beschwerden durch Physiotherapeuten testeten. Die Wissenschaftler führten Individual- und Fokusgruppeninterviews mit einer Stichprobe des beteiligten Personals durch und werteten diese durch induktive thematische Analysen aus.