An dieser schwedischen randomisierten kontrollierten Studie beteiligten sich 32 Einrichtungen der Primärversorgung, die entweder die neue Intervention oder die Kontrollintervention abgaben. Zwischen Januar 2013 und Dezember 2014 nahmen 352 Patienten mit akuten oder subakuten Nacken- oder Kreuzschmerzen teil. Im Direktzugang untersuchten die Physiotherapeuten die Patienten hinsichtlich red und yellow flags und veranlassten gegebenenfalls eine weitere medizinische Untersuchung beim Arzt. Danach füllten die Patienten Fragebögen aus, zu den klinischen Zielgrößen gehörten die subjektive Funktion (Functional Rating Index – FRI), gesundheitsbezogene Lebensqualität (EQ-5D-3L) und die Arbeitsfähigkeit nach zwölf Monaten (Work Ability Score – WAS). Die Physiotherapie war patientenzentriert und evidenzbasiert, der Therapieumfang war individuell. Die Nachuntersuchungen fanden nach drei, sechs und zwölf Monaten statt. Während die Patienten der Kontrollgruppe (n = 206) ausschließlich die strukturierte Physiotherapie erhielten, bekam die Interventionsgruppe (n = 146) zusätzlich Unterstützung am Arbeitsplatz. Dazu nahm der behandelnde Physiotherapeut mit Zustimmung des Patienten Kontakt zum Arbeitgeber auf. Dieser wurde anschließend interviewt (Fragen zum Arbeitsplatz und möglichen Anpassungen). Im dritten Schritt trafen sich dann Patient, Arbeitgeber und Physiotherapeut zur Besprechung notwendiger und möglicher Schritte zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und Rückkehr zum Arbeitsplatz, die geplanten Maßnahmen wurden in einem konkreten Handlungsplan festgehalten.

Die Patienten waren zwischen 18 und 67 Jahre alt (im Schnitt rund 44 Jahre), überwiegend Frauen (rund 65 Prozent). Es war unerheblich, ob die Erkrankung erstmalig oder als Rezidiv auftrat. Die Teilnehmer waren höchstens 60 Tage arbeitsunfähig oder wiesen ein erhöhtes Risiko dafür auf (Örebro Musculoskeletal Pain Screening Questionnaire ≥ 40 Punkte). Im vorangegangenen Jahr sollten sie mindestens vier zusammenhängende Wochen gearbeitet haben. Ausgeschlossen wurden Schwangere und Patienten mit Komorbiditäten, pharmakologischer Therapie aufgrund akuter Symptomatik oder dem Bezug einer Berufsunfähigkeitsrente.

Nach zwölf Monaten konnten 79 Prozent der Daten der Interventionsgruppe und 83 Prozent der Kontrollgruppe ausgewertet werden. Beide Gruppen verbesserten sich im zwölfmonatigen Nachbeobachtungszeitraum in den Zielgrößen Funktion, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit, ohne signifikanten Gruppenunterschied. Funktion und Arbeitsfähigkeit nahmen in den ersten drei Monaten am stärksten zu. Ergebnisse einer früheren Analyse hatten gezeigt, dass Fehltage in der Arbeit durch die Arbeitsplatzintervention verringert werden konnten. Daher empfehlen die Autoren trotzdem die neue Intervention, wenn das Hauptziel ist, die Fehltage zu reduzieren.

Quelle: Forsbrand MH, et al. 2020. Long-term effects on function, health-related quality of life and work ability after structured physiotherapy including a workplace intervention. A secondary analysis of a randomised controlled trial (WorkUp) in primary care for patients with neck and/or back pain. Scand. J. Prim. Health Care. Jan 30 [Epub ahead of print] Volltext frei

Link zum Abstract: pt.rpv.media/ncbi32000558