Therapie: Titelbeitrag
pt Januar 2021

Neurozentriertes Training in der Therapie

Die Halswirbelsäule im Fokus

Der Hals ist eine Schlüsselregion für aufrechte Körperhaltung, Wirbelsäulenstabilität und dynamische Sehschärfe. Durch die neuronalen Verschaltungen zu Mittelhirn, Vestibularorgan und visuellen Zentren ergeben sich Trainingsmöglichkeiten, die praktisch anwendbar sind und vielversprechende Ergebnisse bringen können.

Ein Beitrag von Daniel Müller
Lesezeit: ca. 8 Minuten
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Therapeutische Bedeutung gezielter Trainingstherapie

Das gezielte Training der Halswirbelsäule spielt im therapeutischen Kontext eine wichtige Rolle. Die Halswirbelsäule kommt vor allem ins Spiel, wenn Patienten über Kopf- oder Nackenschmerzen klagen. Spannungskopfschmerzen und ein schmerzender Schulter-Nacken-Bereich sind allgemein bekannt. Während ein strukturiertes Krafttraining der Halswirbelsäule sowohl im Sport als auch im therapeutischen Setting von hoher Bedeutung ist, werden wichtige (neuro-)anatomische Verbindungen meist unberücksichtigt gelassen. Jedoch liegen hier praktisch anwendbare Übungsmöglichkeiten, die sich positiv auf die Halswirbelsäule auswirken können. Wenn es um das Training der Halswirbelsäule geht, haben Trainer und Therapeuten schnell die myofaszialen Strukturen im Blick. Selbstverständlich kann man Muskelkraft, Stabilität und Beweglichkeit gezielt optimieren, um Patienten zu helfen. Es ergibt aus den folgenden Gesichtspunkten jedoch auch Sinn, sich zunächst einmal die immense Bedeutung der weiteren anatomischen Besonderheiten der Halswirbelsäule zu vergegenwärtigen. Aus dieser Betrachtung heraus bekommt das Training im Bereich der Halswirbelsäule eine andere Dimension (Abb. 1):

  • Der Hals beinhaltet lebenswichtige Versorgungswege. Neben der Luft- und Speiseröhre sind die Halsschlagadern und Wirbelarterien essentielle Strukturen des Körpers.
  • Der Hals verbindet Kopf und Körper. Das Rückenmark gewährleistet konstanten Informationsfluss von der Peripherie des Körpers zum Gehirn (Afferenzen) und zurück (Efferenzen).
  • Der Hals ist psychosomatisch relevant, denn er „…reflektiert Verhaltensflexibilität, Offenheit und die persönliche Ausstrahlung. Halsstarrigkeit, Hartnäckigkeit und Starrköpfigkeit symbolisieren körperliche wie auch geistige Unbeweglichkeit; ein frei beweglicher Hals steht dagegen für offene Kommunikation, ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Kopf und Herz, gerade Verbindungswege, die ein ungehindertes Fließen des Bauchgefühls zulassen.“ (1)
  • Die Wirbelsäulenstabilität ist maßgeblich von den propriozeptiven Signalen abhängig, die von der oberen Halswirbelsäule aus zum Gehirn gesendet werden. Umgekehrt wird die Hals-/Nackenstabilität auch entscheidend durch absteigende Signale beeinflusst, insbesondere aus dem Mittelhirn und den vestibulären Kernen. (2–6, 9)

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pt Januar 2021

Erschienen am 12. Januar 2021