Bewegung tut gut – viele wissen das, aber nur wenige beherzigen es. Bislang ist die Rehabilitation der einzige Sektor, in dem Bewegungsförderung eine therapeutische Leistung ist. Bewegungsexperte Klaus Pfeifer fordert daher mehr gesundheitspolitisches Engagement für die Bewegungsförderer. Rückenwind bekommt er nun vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen: Das Gremium schlägt in seinem aktuellen Gutachten vor, speziell Rückenschmerz-Patienten über die Bedeutung von Bewegung und Physiotherapie verpflichtend aufzuklären.

Bewegung stärkt die Gesundheit

Körperliche Aktivität steigert die Lebensqualität, schützt vor einer Erkrankung und senkt obendrein das Risiko, dass gesundheitliche Leiden wiederkehren. Es gibt kaum eine Gesundheitserkenntnis, die weniger umstritten ist als diese. Dennoch achtet nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) nur etwa ein Drittel der Deutschen darauf, sich ausreichend zu bewegen (1). Und selbst jene, denen es medizinisch angeraten ist, nutzen diese Gesundheitsressource nicht: 65 Prozent der Krebs- und Diabetes-Patienten, bis zu 79 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen, 58 Prozent der Herz-Kreislauf-Kranken sowie 84 Prozent der Menschen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) bewegen sich nicht ausreichend. Diese Zahlen hat das sportwissenschaftliche Department der Universität Erlangen-Nürnberg in einer aktuellen Übersicht (2) aus internationalen Studien (3–6) zusammengetragen. Dessen Leiter, Prof. Klaus Pfeifer, fordert daher mehr Engagement von der Gesundheitspolitik: „Wir brauchen eine echte politische Verortung der Bewegungsförderung auf Bundesebene, beispielsweise durch ein Bundesamt für Bewegung“, erklärte er beim diesjährigen Reha-Kolloquium in München. Im Bereich Ernährung – dem zweiten zentralen Feld einer erfolgreichen Prävention – gebe es längst eine entsprechende gesundheitspolitische Infrastruktur mit mehreren Bundesinstituten. Bewegungsförderung und körperliches Training aber würden, so Pfeifer, bislang nur in der Rehabilitation als therapeutische Leistungen anerkannt. Rund 60 Prozent aller Leistungen der medizinischen Rehabilitation sind der Bewegungstherapie zuzuordnen (7). Im Durchschnitt ist jeder Rehabilitand 11,8 Stunden pro Woche körperlich aktiv. Hochgerechnet auf alle Reha-Einrichtungen summieren sich die Einheiten auf rund 36 Millionen Stunden Bewegungstherapie pro Jahr.